Birgittinischer Kalender: Juli

Geweiht dem kostbaren Blut Christi

1. Juli
Meine Braut! Ich bin wie jemand, der einen kleinen Acker um einen sehr hohen Preis kaufte, weil Gold darin verborgen lag; der Acker ist der Mensch, den ich mit meinem höchst kostbaren Blut erkaufte, in welchem köstliches Gold war, nämlich eine von meiner Gottheit erschaffene Seele. [6. Buch 21. Kapitel]

2. Juli
Meine Tochter! Als ich vom heiligen Geist empfangen hatte, ging ich hinauf zu meiner Base Elisabeth, um sie zu trösten und mit ihr über das zu sprechen, was mir der Engel verkündet hatte; als Elisabeth die Innigkeit des Geistes bewunderte, der aus mir sprach, und ich die gleichen Wirkungen der Gnade an ihr sah, dankten wir Gott, lobten ihn und verweilten längere Zeit zusammen. So sprach die göttliche Mutter zur Braut. [6. B. 59. K.]

3. Juli
Meine Braut! Hülle dich in den Mantel der Demut und glaube, dass du eine größere Sünderin seiest als alle, und obwohl du Böse siehst, so weißt du doch nicht, wie es in Zukunft mit ihnen stehen wird; du weißt auch nicht, mit welcher Kenntnis und Absicht sie so handeln, ob aus Schwachheit oder aus Bosheit; darum sollst du dir vor keinem den Vorzug geben und niemand in deinem Herzen richten. [2. B. 23. K.]

4. Juli
Meine Braut! Gleichwie ein Baum viele Äste hat, diejenigen aber, die die höheren sind, am meisten Wärme von den Strahlen der Sonne empfangen, so ist es auch mit den Tugenden. Die Liebe ist der Baum, von welcher alle Tugenden ausgehen, die oberste Stelle unter ihnen nimmt der Gehorsam ein; deshalb ist mir derjenige der liebste, der sich anderen aus Demut unterwirft und sein Wollen gänzlich in die Hände anderer gibt. [6. B. 120. K.]

5. Juli
Meine Braut! Wer um Gottes Willen Schmach und Widerreden zu erdulden hat und sie geduldig erträgt, dessen Seele wird dadurch überaus schön, und wer seinen Leib zur Ehre Gottes ermüdet, dessen Seele wird Süßigkeit kosten und geschmückt werden. [6. B. 47. K.]

6. Juli
Meine Tochter! Die Schrift, die ihr die Heilige nennt, sagt, dass kein Werk ohne Vergeltung bleiben wird; dies ist die Schrift, welche bei euch auch die Bibel genannt wird, bei uns aber ist sie schimmernd wie eine glänzende Sonne, unvergleichlicher als Gold, fruchtbarer als ein Samenkorn, welches aus sich hundertfältige Frucht hervorbringt: denn wie das Gold alle übrigen Metalle übertrifft, so übertrifft die Heilige Schrift, in der Gott geehrt und gelobt wird, die Werke der Barmherzigkeit erzählt werden und die auf göttliche Eingebung hin geschriebenen Aussprüche der Propheten niedergelegt sind, alle übrigen Schriften. So sprach der hl. Johannes zur Braut. [4. B. 1. K.]

7. Juli
Meine Braut! Du sollst sein wie ein gut verwurzelter Baum, dessen Hauptwurzel der Wille nach dem Willen Gottes ist; aus ihr gehen dann ebenso viele Tugenden hervor als Wurzeln am Baum sind; darum soll dein Wille stark sein in der Geduld, großmütig in der göttlichen Liebe und tief gegründet in wahrer Demut. [6. B. 30. K.]

8. Juli
Meine Braut! Du bist beunruhigt, weil du keine geeignete Wohnung finden konntest; wisse, dass ich dies zu deinem Besten und zur Verschönerung deiner himmlischen Krone zugelassen habe. [Extrav. 104]

9. Juli
Meine Braut! Gib deinem Leib das Nötige an Nahrung und Schlaf, weil es mir so gefällt, dass der Leib die Erfrischung habe und die Seele nicht wegen seiner Schwäche von geistlichen Dingen abgehalten werde. [6. B. 91. K.]

10. Juli
Meine Braut! Wer sich nicht bessert, solange er Zeit hat, und sich freiwillig von Gott abwendet, den wird der Vater nicht verteidigen, der Sohn wird ihm nicht gnädig sein, und der Heilige Geist wird sein Herz nicht mehr entzünden. [4. B. 85. K.]

11. Juli
Meine Braut! Welcher Ort ist heiliger als Jerusalem, wo ich meine Fußstapfen hinterlassen habe, und welcher Ort ist jetzt geringer geschätzt und wird so von den Ungläubigen bewohnt und betreten; trotzdem finden alle, die nach Jerusalem kommen, die nämlichen Gnaden und Ablässe wie früher. [4. B. 114. K.]

12. Juli
Meine Braut! Du musst einen Mund haben, der rein ist von übler Nachrede über andere, verschlossene Ohren für eitles Geschwätz, keusche Augen und Hände, die im Guten tätig sind. [5. B. 1. Off.]

13. Juli
Meine Braut! Demütig ist derjenige, der, wie weit er auch im Guten vorangeschritten sein mag, das für nichts achtet und kein Vertrauen auf seine Verdienste setzt. [6. B. 69. K.]

14. Juli
Meine Braut! Fürchte die bösen Geister nicht, denn ihre Hände, das ist ihre Macht und Gewalt, sind gebunden und sie vermögen ohne meine Zulassung nicht mehr als ein Strohhalm, den du mit Füßen trittst. So sprach der Herr, als die hl. Birgitta bei einer Vision von der Hölle vor Schrecken entsetzt war. [6. B. 75. K.]

15. Juli
Meine Braut! Warum hast du Freude daran, von den Werken der Großen und den Kriegen der Fürsten zu hören, und weshalb freust du dich daran, so etwas Überflüssiges anzuhören? Willst du herrliche Taten hören und großartige Werke schauen, so betrachte und höre meine Taten, die wunderbar, staunenswert und unbegreiflich sind. [6. B. 27. K.]

16. Juli
Meine Braut! Meine Mutter ist die Königin des Himmels, die Gebieterin der Engel und nächst Gott das Herrlichste; sie ist die Freude derer, die durch die Welt pilgern, die Mutter der Barmherzigkeit und der Trost jener, die sich im Fegefeuer befinden. [1. B. 16. K.]

17. Juli
Meine Braut! Dies ist die Kammer, die ich dir bereitet habe; sie ist für dich die Schule des Heiles, in welcher du Verdienste sammeln und erhabene Dinge lernen kannst. Du, die du früher in hohen und prächtigen Häusern gewohnt hast, kannst jetzt durch (eigene) Erfahrung lernen, was die Heiligen gelitten haben, die in Höhlen wohnten. Dies sagte der Herr zur hl. Birgitta, als ihr eine schlechte Hütte zum Bewohnen angewiesen wurde. [Extrav. 97]

18. Juli
Meine Braut! Der Teufel legt seine Angel, wo man sich am wenigsten vor ihm hütet, wenn nämlich der Mensch auf seine Gedanken und Neigungen nicht mehr achtgibt, wenn er die Art seiner Versuchungen nicht in Betracht zieht und sich so sehr auf sein äußeres Wirken verlegt, dass er sein Seelenheil darüber außer acht lässt. [4. B. 107. K.]

19. Juli
Meine Braut! Da die Seele himmlischen Ursprungs ist und das Bild Gottes in sich trägt, soll sie sich nie sinnlichen Freuden hingeben, damit sie nicht dem Bild des Teufels gleichförmig werde; sie soll inbrünstig in der Liebe zu Gott verbleiben, weil sie eine Schwester der Engel, unsterblich und ewig ist. [6. B. 66. K.]

20. Juli
Meine Braut! Ich strafe den Menschen durch Krankheit und Trübsale: wenn er sich aber dennoch nicht bessern will, nehme ich meine Barmherzigkeit von ihm hinweg und lasse ihn hineingehen in jene Strafe, die ihm aus Gerechtigkeit bereitet wurde. [6. B. 22. K.]

21. Juli
Meine Braut! Ich habe mit dir verfahren, wie es ein Bräutigam zu tun pflegt, der sich vor seiner Braut verbirgt, damit sie um so sehnsüchtiger nach ihm verlange; so habe ich dich in dieser letzten Zeit nicht mit Tröstungen heimgesucht, weil es die Zeit deiner Prüfung war. [7. B. 31. K.]

22. Juli
Meine Braut! Als Maria Magdalena bekehrt wurde, sprach der Teufel: Wir haben eine reiche Beute verloren, wie werden wir sie wieder gewinnen? Sie wäscht sich mit dem Wasser ihrer Tränen so rein, dass wir nicht wagen, unseren Blick auf sie zu richten, sie ist so feurig im Dienst Gottes, dass wir nicht wagen, ihr nahe zu kommen. [4. B. 108. K.]

23. Juli
Meine Braut! Weil du nun bewährt bist, so komme und halte dich bereit, denn nun ist die Stunde gekommen, dass erfüllt werde, was ich dir verheißen habe: Von nun an wirst du nicht nur meine Braut, sondern auch für eine Mutter von Vadstena gehalten werden. Wisse, dass du deinen Leib hier in Rom ablegen wirst, bis er an die für ihn vorbereitete Stätte kommen wird, denn es gefällt mir, dich jetzt deiner Mühen zu entheben und deinen Willen für das Werk anzunehmen. [7. B. 31. K.]

24. Juli
Meine Braut! Statt irdischer Lust werde ich dir Seelenfreuden geben, statt den Freuden der Welt die Wonnen des Himmels, statt des Anblicks der Verwandten die Anschauung Gottes, statt irdischer Ehre die Ehre der Engel, statt des Besitzes von Gütern mich selber, deinen Gott und Schöpfer. [1. B. 32. K.]

25. Juli
Meine Tochter! Gott hat die heilige Kirche in Trübsal und Armut erstehen lassen, damit er ihr Erbe sei und sie sich nicht der Welt, sondern nur Gottes rühmen könne. In seiner Macht stand es ohne Zweifel, Fürsten und Könige für Apostel zu wählen, aber dann wäre durch sie die Kirche mit irdischem Erbe bereichert worden; deshalb begann er die überaus schöne Stiftung der heiligen Kirche durch arme Fischer und setzte sie an seiner Stelle ein. So sprach die göttliche Mutter zur Braut. [4. B. 76. K.]

26. Juli
Meine Braut! Welch kostbares Kleinod hat die ehrwürdige Mutter Anna in ihrem Schoß getragen, als Maria in ihr ruhte; darum kann sie in Wahrheit eine Schatzkammer Gottes genannt werden, weil sie das Kleinod in ihrem Schoße barg, das Gott über alles teuer war. [Sermo Angelicus]

27. Juli
Meine Braut! Denkt der Mensch etwa, dass der Sohn Gottes nicht die Wahrheit gesagt hat, als er auf Erden sprach, der Mensch werde über alles Rechenschaft ablegen müssen? Ja, ich sage noch mehr: er wird über jeden Augenblick Zeit, über alle seine Güter, sowie über die einzelnen Gedanken und Worte einmal Rechenschaft ablegen müssen. [6. B. 70. K.]

28. Juli
Meine Braut! Wer einen mir entgegengesetzten Willen hat, wird im Leben vieles zu erdulden haben, weil er doch nicht bekommen kann, was er möchte, und er wird noch dazu für seinen verkehrten Willen in der Ewigkeit Bestrafung erfahren; hätte er ihn mir übergeben, dann hätte er leicht alles ertragen können, was ihm widerfährt. [6. B. 30. K.]

29. Juli
Meine Braut! Die hl. Martha gab alle ihre Güter mit Freuden hin, sie suchte nur das Himmlische, erlitt alles in Geduld und sorgte für andere wie für sich selbst; sie gedachte auch stets meines Leidens und freute sich über die Trübsal. [6. B. 65. K.]

30. Juli
Meine Braut! Ich bin in dem, welchem du zum Gehorsam verpflichtet bist; jede Stunde, jeder Augenblick, wo du mit dem Willen deine Einwilligung zur Unterwerfung gibst und in der Tat gehorchst, auch wenn die Natur widerstrebt, wird dir zur Belohnung angerechnet werden. [6. B. 43. K.]

31. Juli
Meine Braut! Der Weg, den der Mensch unter größerer Trübsal zur Ehre Gottes wandelt, wird ihm bei Gott auch größeren Lohn einbringen als derjenige, der unter geringerer Trübsal zurückgelegt wird. [Extrav. 68]