Unsere Versuche mit verschiedenen Verarbeitungsmethoden für Kirschpflaumen gehen weiter. Folgendes haben wir ausprobiert:
6. Methode: Käsekuchen
Da erfahrungsgemäß Milchprodukte Säure gut abmildern, haben wir versucht, Kirschpflaumen in einen Käsekuchen einzubacken. Dazu haben wir zunächst einen Mürbteigboden nach folgendem Rezept erstellt:
250 g Mehl
125 g Butter
70 g Zucker
1 Ei
1 Prise Salz
Der Butteranteil ist hier geringer als beim klassischen 1-2-3-Teig, aber es soll ja eine sehr weiche Füllung hinein, also sollte der Teig ein wenig fester sein. Wir haben diesen Teig in eine Springform gegeben, wobei wir dessen Rand bis zum Rand der Springform hochgezogen haben, und sodann die Füllung aus folgenden Zutaten zusammengerührt:
750 g Quark, davon 500 g Magerstufe (im Laden ausdrücklich als „Konditorquark“ für Käsekuchen deklariert) und 250 g Sahnequark, wobei es auch mit Quark jeglicher Art funktionieren sollte
150 g saure Sahne
3 Eier
150 g Zucker
100 g Milch
50 g Butter
1 Päckchen Vanillepuddingpulver
einige Tropfen Vanillearoma
1 Prise Salz
Wenn man mit Butter und Zucker beginnt und diese zunächst cremig rührt, bevor man die anderen Zutaten hinzufügt, genügt es, weiche Butter zu nehmen. Wenn man sie erst später hinzufügt, verbindet sie sich nicht mehr so leicht, wenn man sie nicht vorher geschmolzen hat. Das Päckchen Vanillepuddingpulver kann man dann auch gleich in diese Creme einrühren, so daß es nicht klumpt, was leicht passieren kann, wenn man es in eine größere Menge Flüssigkeit einzurühren versucht. Die weiteren Zutaten kann man dann in beliebiger Reihenfolge nach und nach zugeben und solange verrühren, bis eine homogene Masse entsteht. Dieses Gemisch haben wir dann in die mit dem Mürbeteig ausgekleidete Springform gefüllt und anschließend so lange von oben entsteinte Kirschpflaumenhälften in die Masse gedrückt, bis diese den Rand der Springform erreicht hat. Das war in etwa eine Lage Kirschpflaumenhälften, das heißt, der weitaus größere Teil der Füllung bestand aus Quarkmasse und nur der geringere Teil aus Pflaumen. Möchte man mehr Pflaumen unterbringen, so dürfte es sich empfehlen, alle Zutaten für die Quarkmasse um ein Drittel zu reduzieren.

Man kann die Kirschpflaumenhälften einfach in der Masse versenken, wenn man die Springform ein wenig hin und her dreht. In der Mitte, wo die Fliehkräfte weniger stark wirken, kann man auch mit dem stumpfen Ende eines Messers oder Löffels nachhelfen und sie einfach in die Tiefe drücken. Zu Ehren unserer Ordenssymbolik haben wir die Oberfläche nach Versenken der übrigen Kirschpflaumenhälften mittels roter und gelber Kirschpflaumen mit einer Birgittenkrone verziert.

Dann haben wir den Kuchen bei 170° Ober-/Unterhitze für 1 Stunde gebacken, danach den Herd ausgeschaltet, einen Kochlöffelstil in die Ofenklappe geklemmt, so daß sie einen kleinen Spalt offenstand, und dann den Kuchen für eine halbe Stunde im Ofen herunterkühlen lassen, damit er bei zu schnellem Temperaturwechsel nicht etwa zusammenfällt.

Das Ergebnis hat unsere Erwartungen an den Geschmack voll erfüllt. Die Kirschpflaumen wurden zwar, wie bereits erwartet, durch das Backen sauer, aber der sie umgebende Quark fing das sehr gut auf.
7. Methode: Trocknen
Hier haben wir wieder ein Experiment gemacht. Basierend auf dem Gedanken, daß Trockenpflaumen eine gängige Ware sind, haben wir versucht, auch Kirschpflaumen zu trocknen. Da sich jedoch ihr Stein für den Kirschenentsteiner als zu groß und die gesamte Frucht für den Zwetschgenentsteiner als zu klein erwies, mußten wir sie durch das im Beitrag Haltbarmachen und Verarbeitung von Kirschpflaumen (I) bereits beschriebene Verfahren des Halbierens entsteinen. Somit war es nicht mehr möglich, sie wie die handelsüblichen Dörrpflaumen als ganze Früchte zu trocknen.

Wir haben darum in unserer Versuchsanordnung jeweils die Hälfte der Pflaumen mit der Innenseite nach oben und die andere Hälfte mit der Haut nach oben zum Trocknen auf einem Teller ausgelegt und diesen an einen luftigen, warmen, aber schattigen Platz aufgestellt.

Zum Schutz vor Essigfliegen haben wir einen engmaschigen Seiher darübergestülpt, denn diese Tierchen tragen ihren Namen nicht von ungefähr, sondern aufgrund ihrer Angewohnheit, an ihren Füßen Essigbakterien mit sich herumzutragen und diese überall dort zu verteilen, wo sie sich hinsetzen, und so alles in Essig zu verwandeln.

Nach einem Tag zeigten sich die Früchte praktisch unverändert, insbesondere die Farbe war noch wunderschön gelb.

Auch nach zwei Tagen waren die Pflaumen nur wenig verändert und die Farbe noch sehr gelb, was uns hoffnungsfroh stimmte, denn wie die Erfahrung mit Äpfeln zeigt, werden diese umso schneller braun, je saurer sie sind.
Nach drei Tagen waren vor allem die mit der Innenseite nach außen liegenden Früchte bereits sehr eingeschrumpelt und die Mehrzahl der mit der Außenseite nach oben liegenden Früchte hatte leider an der Innenseite weißen Schimmel angesetzt. Aufgrund von deren Nähe zu den anderen Früchten erschien es uns zu riskant, das Experiment noch weiter fortzusetzen, so daß wir zur Verkostung schritten. Erfreulicherweise waren alle noch eßbaren Früchte süß, hatten also nicht, wie bei den anderen bisher versuchten Verarbeitungsmethoden, diese ausgeprägte Säure entwickelt. Das Trocknen scheint daher, wenn man die Früchte mit der Innenseite nach oben legt, um Schimmelbildung zu vermeiden, ein gangbarer Weg der Konservierung zu sein, leider mit dem Wermutstropfen, daß er die Früchte ziemlich unansehnlich macht.

Zusammen mit der Beobachtung, daß bei überreifen Früchten, die bereits so weich sind, daß beim Aufschneiden Fruchtmus austritt (die also nicht mehr schnittfest sind), ebenfalls eine deutliche Zunahme der Säure festzustellen ist, bringt uns das zu dem Schluß, daß das Säureproblem eine Folge der Auflösung der inneren Strukturen des Fruchtfleisches sein muß, weil diese Säure dann spürbar wird, wenn die Zellen entweder beim Erhitzen platzen, beim Einfrieren durch Eiskristalle durchbohrt werden oder im Prozeß der Überreife zerfallen. Ziel sollte es daher sein, eine Verarbeitungsmethode zu finden, bei der die Zellen der Früchte möglichst intakt bleiben.
8. Methode: Tarte mit süßer Royale
Ähnlich wie der Quark beim Käsekuchen sollte auch der im französischen als Royale bezeichnete sahnehaltige Guß einer Tarte die Säure abmildern. Daher haben wir auch dies versucht. Der Teig für den Mürbeteig ist derselbe wie beim Käsekuchen, also
250 g Mehl
125 g Butter
70 g Zucker
1 kleines Ei
1 Prise Salz
wobei wir noch ein wenig Vanillearoma hinzugefügt haben. Da sich beim Käsekuchen bereits gezeigt hatte, daß der Mürbeteigboden zwar fest wurde, aber nicht knusprig, haben wir den Boden, nachdem wir ihn in der Tarteform ausgebreitet hatten, erst einmal für 12 Minuten bei 180° Ober-/Unterhitze blindgebacken. Nachdem er so weit erkaltet war, daß man gut mit der Form hantieren konnte, haben wir entsteinten Kirschpflaumenhälften wie kleine Schälchen auf den Boden gelegt und gleich noch eine zweite Schicht, leicht versetzt wie beim berühmten Tränenbrunnen von Bachtschissaraj, darüber, so daß der Sahneguß bei Einfüllen in die Form von den oberen auf die unteren Pflaumenhälften überfließen kann.

Die Royale besteht dann aus
200 g süßer Sahne
100 g Milch
3 großen Eier
90 g Zucker
20 g Speisestärke
1 Päckchen Vanillinzucker
1 Prise Salz
Auch hier empfiehlt es sich, zur Vermeidung von Klümpchenbildung wie beim Puddingkochen zunächst Speisestärke und Zucker miteinander zu mischen und dann mit ein wenig Flüssigkeit anzurühren. Wir haben dazu die Eier verwendet, indem wir sie nacheinander in das Stärke-Zuckergemisch eingerührt haben. Wenn alles gut verrührt ist, wird es vorsichtig über die Pflaumenhälften gegossen und dann das ganze für 30-35 Minuten bei 170° Ober-/Unterhitze gebacken. Die Tarte ist fertig, wenn die Füllung bei leichtem Rütteln an der Form nicht mehr schwappt, sondern nur noch leicht wackelt. Sie wird beim Abkühlen noch fester und das Ziel ist, daß sie möglichst cremig bleibt, also nicht zu fest wird.

Gerade in der unteren Lage mit Pflaumen, die in der fertigen Tarte von außen nicht mehr zu sehen ist, kann man gut auch schon etwas überreife Früchte verwenden, da diese bereits im Rohzustand, wie oben erwähnt, ohnehin schon säurebetonter sind und sich daher für den Rohverzehr, sofern man nicht gerade die Säure schätzt, weniger eignen. Hat man sehr viele und sehr saftige Früchte, so kann es sich empfehlen, bei der Royale die Milchmenge etwas zu reduzieren oder ein viertes Ei und gegebenenfalls noch weitere 10 g Speisestärke hinzuzunehmen, damit die Royale in der üblichen Zeit noch fest wird und man nicht riskiert, den Mürbeteigrand zu verbrennen, wenn man noch länger weiterbacken muß.























