In eigener Sache (II)

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Liebe Christen, liebe Freunde, liebe Seitenbesucher, liebe Unterstützer,

heute ein Wort zur Bewahrung christlicher Kulturgüter in unserem Kloster. Es gab immer wieder das Gerücht, Kunstgegenstände aus dem Kloster sollten in der Vergangenheit „verramscht“ werden. Völlig unwahr. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben uns um eine Art Inventarisierung der im Kloster befindlichen Kunstgegenstände bemüht und uns entschlossen, diese Auflistung schnellstens und fachkundig zu erstellen. Aus diesem Grund bestellte unser Kloster einen promovierten Historiker (Ordenspriester, Dozent an der Karlsuniversität in Prag und ausgewiesener Fachmann für barocke Sakralkunst). Dieser schätzte und inventarisierte über mehrere Tage den gesamten Bestand an Kunstgegenständen, Mobiliar und Büchern. Dabei standen ihm ausgewiesene Versicherungsspezialisten zur Seite. Im Ergebnis dieser Arbeit wurde alles neu geordnet und in entsprechender Höhe versichert. Einzig der Schutz und die Bewahrung christlicher Kulturgüter war dabei unser Antrieb.

Zur Kette vieler Verleumdungen gehörte auch stets die Unterstellung eines unsachgemäßen Umgangs mit  der Klosterbibliothek. Sicherlich waren die bisherigen Räumlichkeiten, in denen sich die Klosterbibliothek befand, nicht die geeignetsten zur Aufbewahrung bedeutender Bücher und Folianten. Genau deshalb haben wir diese Räume für ungeeignet befunden, die bedrohten Bücher umgehend in das geräumige und trockene Arbeitszimmer der Schwestern gebracht. Zudem nahm man zeitgleich Kontakt mit Fachleuten auf, darunter Professoren, Historiker, Archivare und Experten für birgittinische Literatur und Texte. Diese Fachleute hielten im vergangenen Jahr auch aus diesem Grund und wegen dieses speziellen Themas ein Symposium im Kloster ab. Dabei wurden Teile des Bibliotheksbestandes bereits fachlich gesichtet und begutachtet. Das Staunen war groß, da es sich bei den Büchern und Folianten der letzten Jahrhunderte um echte Raritäten handelt, darunter auch einzigartige Kostbarkeiten. Die Klosterleitung wollte in Zusammenarbeit mit den Fachleuten die Bücher inventarisieren, reinigen, archivieren und digitalisieren, um die Inhalte für wissenschaftliche Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jetzt sind diese Bücher vor der Welt und der Öffentlichkeit verschlossen. Wir wissen nicht, was mit den Büchern passiert, und sind der birgittinischen Literatur beraubt. Aktuell haben wir keinerlei Zugang mehr. Darüber bin ich ganz persönlich tief getroffen und traurig. Als ehemalige Lehrerin habe ich ein besonderes Herz für Bücher und Literatur bewahrt, das gedruckte Wort war mir treuer wie lebenslanger Begleiter und wurde später durch birgittinische Texte noch bereichert. Alles ist nun dahin. Die Aussperrung von dieser geistigen Nahrung schmerzt unaufhörlich.

Ihre Sr. M. Apollonia Buchinger