Lieder zum Fest Mariä Namen

Das Fest Mariä Namen, das nach der Rettung Wiens vor der Türkengefahr am 12. September 1683 vom seligen Papst Innozenz XI. für die ganze Kirche eingeführt und zunächst sogar auf einen Sonntag (nämlich den Sonntag innerhalb der mittlerweile abgeschafften Oktav des Festes Mariä Geburt) gelegt wurde, hat, wie schon das Fest des unbefleckten Herzens Mariä, das Fest Mariä Himmelfahrt und das Fest Maria Königin eine Parallele zu einem Herrenfest, dem ursprünglich am Sonntag zwischen dem 1. Januar (Oktavtag von Weihnachten) und dem 6. Januar (Hochfest der Erscheinung des Herrn) gefeierten und inzwischen auf den 3. Januar verlegten Fest des allerheiligsten Namens Jesu. Denn auch wenn uns Menschen nach dem Wort des heiligen Apostels Petrus in Apostelgeschichte 4,12 kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen, als der Name Jesu, so ist doch der Name gerade im biblisch-christlichen Verständnis viel mehr als einfach nur eine Bezeichnung, um ein Individuum von einem anderen unterscheiden zu können, wie es bei den Römern der Fall gewesen zu sein scheint, die ihre nachgeborenen Söhne oft einfach nur durchnumerierten, wie die langen Listen von noch im Heidentum geborenen frühchristlichen Märtyrern namens Secund(in)us, Tertius, Quartus, Qin(c)tus, Sextus/Sixtus und Septim(in)us belegen.

Bevor sich in der jüngeren Vergangenheit die Feier des Geburtstages immer mehr durchsetzte, nahm darum unter den privaten Familienfeiertagen der Namenstag den ersten Rang ein, weit vor anderen wie dem Hochzeitstag oder dem Jahrestag der Verlobung oder des ersten Kennenlernens. Das hat auch damit zu tun, daß die Namensgebung eng mit der Taufe verknüpft ist, weswegen der Vorname bisweilen auch als Taufname bezeichnet wird, vor allem dort, wo es um die Abgrenzung zu einem später angenommenen weiteren Namen, etwa dem Firmnamen, vor allem aber dem Ordens- oder Papstnamen, geht.

Schon im Alten Bund kam nicht nur dem Gottesnamen, dessen Ausrufung über dem Tempel für dessen Heiligkeit so konstitutiv wurde, daß er auch einfach als „das Haus, über dem dein [also Gottes] Name ausgerufen ist,“ (Baruch 2,26) bezeichnet werden konnte, sondern auch den Namen der Menschen große Bedeutung zu. Menschen, die von Gott besonders auserwählt wurden, bekamen von ihm einen neuen Namen. So wurde aus Abram, als Gott einen Bund mit ihm schloß, Abraham (Genesis 17,5) und aus seiner Frau Sarai wurde Sara (Genesis 17,15). Sein Enkel Jakob bekam, nachdem er sich im Kampf mit einem Engel dessen Segen ertrotzt hatte, den Namen Israel (Genesis 32,29). Die Propheten Jesaja (Jesaja 8,3) und Hosea (Hosea 1,4ff) erhielten von Gott Anweisung, welche sprechenden Namen sie ihren Kindern geben sollten, und wenn ein Mann kinderlos starb, so sollte nach dem Gesetz der Leviratsehe sein Bruder die Witwe heiraten und mit ihr einen Sohn zeugen, der den Namen des Verstorbenen weiterführen sollte, damit dieser Name nicht erlosch (Deuteronomium 25,6f). Jemandes Namen zu nennen wurde zum Ausdruck einer besonders innigen Beziehung und, wenn dies durch Gott geschah, zum Zeichen der Erwählung und Errettung, sei es die Verleihung einer besonderen Fähigkeit wie beim Kunsthandwerker Bezalel, von dem es heißt: „Seht, der Herr hat Bezalel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, beim Namen gerufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Klugheit und Kenntnis für jegliche Arbeit“ (Exodus 35,30ff), sei es durch Schutz vor jeder Art von Gefahren, wenn Gott durch seinen Propheten ausrichten läßt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen.“ (Jesaja 43,1f).

Im Neuen Testament finden wir dann den Auftrag des Engels an Josef, dem Sohn Marias den Namen Jesus zu geben (Matthäus 1,21), und an Zacharias, seinen Sohn Johannes zu nennen (Lukas 1,13), sowie die Umbenennung der beiden Apostelfürsten, die an Stelle ihrer ursprünglichen Namen Simon und Saulus die Namen Petrus und Paulus erhielten. Angesichts dieser großen Bedeutung von Namen verwundert es nicht, daß Lukas auch den Namen der Mutter Jesu besonders hervorhebt, indem er ihm, anders als ihrem Wohnort und ihrem Verlobten, die er nur mit dem Adverb „namens“ einführt, einen ganzen Satz widmet, wenn er seinen Bericht von der Verkündigung des Herrn an Maria mit den Worten einleitet: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.“ (Lukas 1,26f). Auch Gabriel rief Maria beim Namen („Fürchte dich nicht, Maria“, Lukas 1,30) und sein „Ave Maria“ wurde, vor allem auch durch den Rosenkranz, zu einem der wichtigsten Gebetsrufe der Christenheit. Ja, sogar der Name Maria allein kann zum Stoßgebet werden, wie auch ein Kind, wenn es in großer Angst, Not oder Gefahr ist, nichts weiter ruft als „Mutti“ oder „Mama“, damit die Mutter ihm rasch zu Hilfe eilt.

Tafel mit dem Namenszug Mariä und dem Aufruf, sie zu grüßen, bei der Wallfahrtskirche Klobenstein in Tirol

Ein beeindruckendes Beispiel hierfür liefert der Wallfahrtsort Klobenstein an der Tiroler Ache, wo vor der Gnadenkapelle ein riesiger Felsen liegt, durch den ein Riß von gerade ein wenig mehr als der Breite eines menschlichen Körpers geht. Er soll den Anlaß zur Errichtung der Wallfahrtskapelle gegeben haben, indem nämlich eine Frau, die dort ihres Weges ging, von einem plötzlich herabfallenden Felsen erschlagen zu werden drohte. Die überraschende und unmittelbar drohende Gefahr ließ keine Zeit für lange Gebete, doch auf den ebenso angsterfüllten wie vertrauensvollen Ausruf „Maria“ hin spaltete sich der Fels mitten entzwei, so daß die Frau sich unverletzt in der Mitte zwischen den beiden Hälften wiederfand. Auch wenn die Lage dieses gespaltenen Felsbrockens Zweifel daran aufkommen läßt, daß er wirklich erst seit dem Beginn der Wallfahrt vor etwa dreihundert Jahren dort liegt, so belegt diese Legende doch eindrucksvoll, welch große Kraft die Gläubigen dem Namen Mariä schon seit Jahrhunderten zusprechen und welch wunderbare Hilfe sie sich von seiner Anrufung erhoffen. Es verwundert daher nicht, daß eine ganze Reihe von Liedern den Namen der größten Helferin unter allen Heiligen zelebriert.

Mariä Namen – Dein Name, Maria, erfreuet das Herz

Mariä Namen – Dich, Maria, zu verehren (Elsaß)

Mariä Namen – Dich, Maria, zu verehren (Engelsharfe)

Mariä Namen – Dich, Maria, zu verehren (München)

Mariä Namen – Ein Name klingt wie Himmelslieder

Mariä Namen – Es klingt durch Erd‘ und Himmel

Mariä Namen – Es tönt ein süßer Namen

Mariä Namen – Festlich preisen alle Zungen (Elsaß)

Mariä Namen – Festlich preisen alle Zungen (München)

Mariä Namen – Ich weiß ein Wort voll Melodie (1883)

Mariä Namen – Ich weiß ein Wort voll Melodie (1890)

Mariä Namen – Laßt ihren Namen uns besingen

Mariä Namen – Maria ist ein schöner Nam‘

Mariä Namen – Maria wurde sie genannt

Mariä Namen – Maria, deine Ehren

Mariä Namen – Maria, deines Namens Klang

Mariä Namen – Maria, die Reine, demütig wie keine

Mariä Namen – Maria, Maria vielliebe

Mariä Namen – Maria, Maria, du übertriffst gar weit

Mariä Namen – Maria, Maria, Maria, dein Name, erfreuet das Herz

Mariä Namen – Maria, rein geboren, der Welt und Engel Freud‘

Mariä Namen – Maria, rein geboren

Mariä Namen – Maria, schöner Nam‘

Mariä Namen – Maria, wie im Engelchore

Mariä Namen – Maria, wir verehren den heil’gen Namen dein (Dreves)

Mariä Namen – Maria, wir verehren den heil’gen Namen dein (Münster)

Mariä Namen – Maria, wir verehren dich und den Namen dein (Köln)

Mariä Namen – Maria, wir verehren dich und den Namen dein (Mohr)

Mariä Namen – Maria, wir verehren dich und den Namen dein (Straßburg)

Mariä Namen – Mein Zuflucht alleine

Mariä Namen – Mein Zuflucht und Wehre

Mariä Namen – Meine Seele, sing und sage

Mariä Namen – Mit unserm Sang laßt uns Marias Namen feiern

Mariä Namen – Mutter, deinen Namen preisen

Mariä Namen – O Maria, deinen süßen Namen

Mariä Namen – O Maria, edler Nam‘

Mariä Namen – O Maria, o Name

Mariä Namen – O Maria, schöner Namen

Mariä Namen – O Maria, sei gegrüßet, gnadenvolle Gottesbraut

Mariä Namen – O Maria, voll der Gnade

Mariä Namen – Süß und lieblich tönt der Name

Mariä Namen – Wecket heut, ihr Engelzungen

Mariä Namen – Wie lieblich, o Maria, klingt

Anmerkung: Einige dieser Lieder, die wir ohne Melodien vorgefunden haben, haben wir mit eigenen Melodien versehen. Diese dürfen gerne zur Ehre Gottes kostenfrei verwendet und gesungen werden, aber bitte nicht mit einem anderen, weltlichen oder unkatholischen, Text unterlegt werden.

Die Lieder wiederholen den Namen Marias voller Liebe, Ehrfurcht und Zärtlichkeit immer wieder, aber sie versuchen auch, ihn auszudeuten. Besonders geläufig ist die Deutung, die schon beim heiligen Hieronymus zu finden ist und darauf beruht, die ursprüngliche aramäische Namensform „Marjam“ in die Bestandteile „Mar(a)“ (hebräisch für „Myrrhetropfen“) und „Jam“ (hebräisch für „Meer“) zu zerlegen und ihn so „Smyrna/Myrrha maris“ = „Meeresmyrrhe“, oder „Stilla maris“ = Meerestropfen ins Lateinische zu übersetzen. Letzteres sehen wir in den Liedern teils von einem bloßen Tropfen des Meeres zu einem ganzen Meer der Gnaden ausgedehnt, da Maria sowohl aller Gnaden voll ist, wie sie Gabriel bei der Verkündigung nannte, als auch die Mittlerin aller Gnaden ist, die sie quasi wie ein unerschöpfliches Reservoir umfaßt. Vor allem aber wurde es dann auch – sei es als Lesefehler, sei es als bewußtes Wortspiel – zu „Stella maris“, also „Stern des Meeres“ oder „Meeresstern“ und regte nicht nur den berühmten Vesperhymnus „Ave maris stella“ an, der bei allen Marienfesten ohne eigenen Vesperhymnus gesungen wird und in der birgittinischen Liturgie sogar täglich die Vesper einleitet, sondern führte zu einer reichen Sternensymbolik rund um Maria.

So wird sie unter dem Titel „Meeresstern“ als die Führerin angesehen, die selbst in finsterster Nacht auf dem stürmischen Meer, als das uns dieses Leben bisweilen erscheint, den sicheren Weg zum Himmel weist wie der Polarstern einem Seemann den Weg zum rettenden Hafen. Ebenfalls sehr beliebt ist ihre Anrufung als „Morgenstern“, die sich in der Lauretanischen Litanei findet und die uns schon vor allem bei den Liedern zu Mariä Geburt, aber auch bei den Liedern zu Mariä Verkündigung begegnet ist. Schließlich wurde auf Maria auch die Prophezeiung des Sehers Bileam „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf“ (Numeri 24,17) bezogen, welche sich besonders in den Liedern zur Mariä Empfängnis findet. Darüber hinaus finden sich in den Liedern noch Bezeichnungen wie „Rettungsstern“ der einerseits auf Marias Rolle als Leitstern verweist, sie andererseits in Gegensatz zum sprichwörtlichen Unglücksstern bringt, denn alles, dem ihre mächtige Fürsprache zuteil wird, steht unter einem glücklichen Stern, oder „himmlischer Stern“, „Stern des Lebens“ oder „Stern der Erden“. Nicht zu vergessen ist schließlich die Krone aus zwölf Sternen, die Marias Haupt in der prophetischen Schau des Apostels Johannes in Offenbarung 12,1 umgibt und die uns vor allem in den Liedern zum Fest Mariä Himmelfahrt und den Liedern zum Fest Maria Königin bereits begegnet ist.

Da das syrische Wort für Herrin, „ܡܳܪܬܳܐ“ („Marta“), dem Namen „Maria“ sehr ähnelt, wird diesem auch die Bedeutung „Herrscherin“ oder „Königin“ beigelegt, und in der Tat bezeugen Exorzisten immer wieder die gebieterische Macht, die von diesem Namen ausgeht, wenn sie ihn in ihrem Kampf gegen die Dämonen anrufen. So ist dieser Name, der in vielen Liedern als „lieblich“, „süß“ oder gar „honigsüß“ beschrieben wird, zugleich auch ein „Name, der die Hölle schreckt“ und „siegreich über Hölle und Tod“.