
Genau eine Woche nach dem freudvollen Fest Mariä Geburt feiern wir das Gedächtnis der Schmerzen Mariä, welches uns daran erinnert, daß das Leben der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter trotz der vielen freudigen Ereignisse, die wir in all den anderen Marienfesten begehen, auch großes Leid und Schmerz kannte, obwohl sie, da sie niemals nur die kleinste Sünde beging, nichts davon verdiente und dessen auch nicht nach der Lebensweisheit, wonach Not beten lehrt, bedurfte. Wie aber ihr Sohn freiwillig das Erlöserleiden auf sich nahm, so nahm auch Maria freiwillig in aller Demut und Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes an diesem Leiden teil und dies in einer Intensität, daß sie bereits seit dem Mittelalter bisweilen auch als „Miterlöserin“ bezeichnet wird. Dies ist freilich keinesfalls in dem Sinne zu verstehen, daß ihr göttlicher Sohn uns nicht auch allein hätte erlösen können und tatsächlich erlöst hat. Auch die Erbsünde wäre ja auch dann über uns alle gekommen, wenn nur einer unserer Stammeltern im Paradies gesündigt hätte. Da aber sowohl der alte Adam als auch die erste Eva durch ihre Sünde das Unheil über uns alle gebracht haben, war es angemessen, daß zusammen mit dem neuen Adam (also Christus, vergleiche 1. Korintherbrief 15,22.45) auch die neue Eva (als die Maria gilt, wie wir bereits bei den Liedern zur Maiandacht erwähnt haben) durch ihr freiwilliges Leiden dafür Sühne leistet und uns das Heil bringt.
Maria wurde zwar ebenfalls durch Christi Leiden erlöst, da ihr der besondere Gnadenvorzug der unbefleckten Empfängnis im Hinblick auf seine künftigen Verdienste am Kreuz gewährt wurde, aber sie hat, da sie Gottes Gebote niemals auch nur im geringsten übertreten hat, durch keinerlei eigene Sünde zu seinen Leiden beigetragen, ganz anders als wir. Das sollten wir uns vor Augen halten, wenn wir daran denken, daß es gerade unter dem Kreuz war, wo Maria, als der Heiland ihr seinen Lieblingsjünger als Sohn anvertraute, auch unsere Mutter wurde: Sie nahm uns gerade in dem Augenblick, in dem sie sehen mußte, welch gräßliches Leid wir durch unsere Sünden, für die er zu Tode gefoltert wurde, ihrem einzigen, innigst geliebten Sohn zufügten, dennoch voller Liebe als ihre Kinder an. Es wird insofern auch davon gesprochen, daß Maria, die ihren leiblichen Sohn einst ohne Schmerzen geboren hatte, weil der auf Eva liegende Fluch, unter Schmerzen gebären zu müssen, sie wegen ihrer unbefleckten Empfängnis nicht treffen konnte, uns als ihre geistlichen Kinder unter umso größeren Schmerzen geboren hat.
Als Schmerzensmutter unter dem Kreuz wird Maria von den Gläubigen vor allem in eigenem Leid angerufen, weil sie selbst diese Erfahrung des Leids gemacht hat und insofern gerade den Leidenden besonders nahe ist. Bevor die Liturgiereform die beiden Feste zusammenlegte, gab es noch ein weiteres Fest, das den Namen „Mariä Mitleiden“ trug und am Freitag vor dem Karfreitag, der darum auch als „Schmerzensfreitag“ bezeichnet wurde, gefeiert wurde. Dieser Tag hat, abgesehen von der generellen Bedeutung von Mariä Schmerzen für den Birgittenorden, die wir hier bereits einmal erwähnt hatten, gerade für unser Kloster noch eine weitere Bedeutung dadurch erlangt, daß am Schmerzensfreitag des Jahres 1842, damals ein 18. März, unser Kloster Altomünster 39 Jahre nach der Auflösung der Säkularisation wiedereröffnet werden durfte. Das Leiden Marias unter dem Kreuz war nämlich ein reines Mitleiden, da ihr selbst kein körperliches Leid zugefügt wurde, sondern ihr Schmerz ausschließlich seelischer Art war, dabei aber ein solches Ausmaß erreichte, daß er, wie wir bereits bei den Liedern zum Fest Mariä Himmelfahrt erwähnt haben, sämtliche Todesschmerzen umfaßte. Dieses Mitleiden Marias gilt ausweislich der Festliturgie, in welcher der Ruf vor dem Evangelium „Halleluja. Halleluja. Selig bist du, Jungfrau Maria! Ohne den Tod zu erleiden, hast du die Palme des Martyriums verdient unter dem Kreuz des Herrn. Halleluja.“ lautet, als ein unblutiges Martyrium und Maria trägt unter anderem deswegen auch den Titel „Königin der Märtyrer“.
Bei der Kreuzigung Jesu erfüllte sich die Weissagungen Simeons bei der Darstellung des Herrn im Tempel, daß ihr ein Schwert durch die Seele dringen werde, was, wie wir bereits bei den Liedern zum Fest des unbefleckten Herzens Mariä kurz angerissen haben, in der Regel als Schwert durch ihr Herz dargestellt wird, oft aber auch als sieben Schwerter, weil insgesamt sieben Schmerzen Mariens verehrt werden. In den folgenden Liedern ist daher teilweise auch von einem „siebenfachen Schwert“ die Rede.
Mariä Schmerzen – Als blutend unsers Heiles Quelle
Mariä Schmerzen – Als Jesus sich zum Opfer gab
Mariä Schmerzen – Am Kreuze als Verbrecher
Mariä Schmerzen – Betrübte Jungfrau, ach, was mußt
Mariä Schmerzen – Blickt, Sünder, hin auf jenes Bild
Mariä Schmerzen – Das bittre Leiden fängt jetzt an
Mariä Schmerzen – Dort, als die Jungfrau Gott gebar
Mariä Schmerzen – Du hattest keinen Schmerz gefühlet
Mariä Schmerzen – Du, Mutter, stehst am Kreuz und flehst
Mariä Schmerzen – Flieh, schwarze Nacht, vom Firmament
Mariä Schmerzen – Himmelsfürstin, sei gegrüßet
Mariä Schmerzen – Ihr, die ihr an mir, der in Qualen Versenkten
Mariä Schmerzen – In wie bittern Qualen zittern
Mariä Schmerzen – Maria ging mit Schmerzen
Mariä Schmerzen – Maria, Maria, ach weh, das höchste Gut
Mariä Schmerzen – Mit was Trauern und Bedauern (Engelsharfe)
Mariä Schmerzen – Mit was Trauern und Bedauern (fränkisch)
Mariä Schmerzen – Mit was Trauern und Bedauern (Pörtner)
Mariä Schmerzen – Mit was Trauern und Bedauern (Sankt Gallen)
Mariä Schmerzen – Mutter der Schmerzen, Mutter der Liebe
Mariä Schmerzen – O Gott der höchsten Gütigkeit
Mariä Schmerzen – O Herz, o du betrübtes Herz
Mariä Schmerzen – O Herz, o tiefbetrübtes Herz
Mariä Schmerzen – O höchste Gnadenfrau
Mariä Schmerzen – O Jesus, welche Qual
Mariä Schmerzen – O Jungfrau, welche Tränenflut
Mariä Schmerzen – O Jungfrau, welcher Tränenbach
Mariä Schmerzen – O Maria voll der Schmerzen
Mariä Schmerzen – O Mutter Gottes, hochgeliebt
Mariä Schmerzen – O Mutter, o du tiefbetrübte
Mariä Schmerzen – O Mutter, voll der Schmerzen
Mariä Schmerzen – O wer kann die Tränen fassen
Mariä Schmerzen – Schmerzenreiche, tränenreiche
Mariä Schmerzen – Seht, die Sonne, wenn sie scheidet
Mariä Schmerzen – Sei gegrüßet, voller Schmerzen
Mariä Schmerzen – Sie ruht am Fuß des Kreuzes
Mariä Schmerzen – Sünder, komm und schau die Schmerzen
Mariä Schmerzen – Töchter Sions, kommt und weinet (Engelsharfe)
Mariä Schmerzen – Töchter Sions, kommt und weinet (Ratibor)
Mariä Schmerzen – Töchter Sions, kommt und weinet (Untermarchthal)
Mariä Schmerzen – Träge Christen, brecht den Schlummer
Mariä Schmerzen – Tränen fließet und ergießet
Mariä Schmerzen – Was hast du im Herzen
Mariä Schmerzen – Welch ein Trauern und Bedauern
Mariä Schmerzen – Welch ein Trauern, welch Bedauern
Mariä Schmerzen – Welche schauervolle Trauer
Mariä Schmerzen – Welche Ström‘ sah man dich weinen
Mariä Schmerzen – Wer kann deine bittren Zähren
Mariä Schmerzen – Wer soll sein so hart von Herzen (Bone)
Mariä Schmerzen – Wer soll sein so hart von Herzen (Eichsfeld)
Mariä Schmerzen – Zu einem Bildnis voll der Gnade
Diese Lieder besingen hauptsächlich die Anteilnahme Mariens an der Passion Christi, teils auch nur verschiedene Einzelereignisse daraus, vor allem die vierte und die elfte bis vierzehnte, ganz besonders aber die dreizehnte Kreuzwegstation, deren bildliche Darstellung als Pietà bezeichnet wird oder als Vesperbild, weil die Kreuzabnahme am Abend zur Zeit der Vesper erfolgte. Sie eignen sich daher auch gut als Lieder zur Kreuzwegandacht.
Daneben gibt es aber auch Lieder, die alle Sieben Schmerzen Mariens, wie sie sich in der Marienfrömmigkeit herausgebildet haben, betrachten:
Mariä sieben Schmerzen – Betracht bei dir, andächtig‘ Herz (Bone)
Mariä sieben Schmerzen – Betracht bei dir, andächtig‘ Herz (Paderborn)
Mariä sieben Schmerzen – Christi Leiden hast du vorgelitten
Mariä sieben Schmerzen – Da ich deine sieben Schmerzen
Mariä sieben Schmerzen – Die Tugend wird durch’s Kreuz bewährt
Mariä sieben Schmerzen – Führ‘ ich deine sieben Schmerzen
Mariä sieben Schmerzen – Gott zum süßen Morgenopfer
Mariä sieben Schmerzen – Heil’ge Mutter, welche Schmerzen fühltest du im tiefsten Herzen (München)
Mariä sieben Schmerzen – Heil’ge Mutter, welche Schmerzen fühltest du im tiefsten Herzen (Münster)
Mariä sieben Schmerzen – Heil’ge Mutter, welche Schmerzen wurden deinem reinsten Herzen
Mariä sieben Schmerzen – Kommt, lasset uns betrachten all‘
Mariä sieben Schmerzen – O Maria, deine Schmerzen (Speyer)
Mariä sieben Schmerzen – O Maria, deine Schmerzen (Volksweise)
Mariä sieben Schmerzen – Süße Mutter, voll der Schmerzen
Das Lied zu Mariä Schmerzen schlechthin aber ist die Sequenz der Festmesse, das häufig dem italienischen Franziskaner Iacopone da Todi zugeschriebene Stabat Mater, von dem es nahezu unzählige Vertonungen und Übersetzungen gibt und wovon allein schon das Buch Stabat Mater. Hymnus auf die Schmerzen der Maria von Friedrich Gustav Lisco 53 Nachdichtungen in deutscher Sprache zusammengetragen hat. Das folgende ist insofern nur eine kleine Auswahl:
Stabat Mater – An dem Kreuz die schmerzenreiche Mutter
Stabat Mater – Bei dem Kreuz in Schmerz versunken
Stabat Mater – Bei dem Kreuz mit nassen Wangen (Tübingen)
Stabat Mater – Bei dem Kreuz mit nassen Wangen (Wien)
Stabat Mater – Bei dem Kreuze stund verlassen
Stabat Mater – Beim Kreuz mit Lieb und Leid verwund’t
Stabat Mater – Christi Mutter, qualentragend
Stabat Mater – Christi Mutter stand mit Schmerzen (Elsaß)