Klosterleben (II) – Fasten

Passend zur in diesen Tagen zu Ende gehenden großen Fastenzeit vor Ostern möchten wir unsere Serie über das Leben im Kloster heute mit einem Beitrag über Fasten und Askese fortsetzen. Auch wenn heute Begriffe wie „Autofasten“, „Fernsehfasten“, oder „Internetfasten“ kursieren, um – durchaus erwägenswerte und sinnvolle – alternative Formen des Verzichts in der vorösterlichen Bußzeit zu bezeichnen, so bezieht das Wort „Fasten“ in seiner ursprünglichen Bedeutung ausschließlich auf eine Reduzierung der Nahrungsaufnahme, sei es in qualitativer oder quantitativer Hinsicht. Unsere Ordensregeln (die als Grundlage dienende Augustinerregel und die rechtlich gesehen lediglich eine Konstitution hierzu bildende Erlöserregel, siehe dazu den Beitrag über unseren Regelvater Augustinus) befassen sich mit dieser Thematik in erster Linie unter dem Aspekt der Nahrungsqualität. Zur Quantität äußert sich lediglich das vierte Kapitel der Augustinerregel, wenn es vorschreibt, dass über die gemeinschaftlichen Mahlzeiten hinaus keine weiteren Mahlzeiten eingenommen werden sollen:

„Abtötung in Speise und Trank

Das gemeinsame Mahl

Euer Fleisch bezähmt durch Fasten und Enthaltsamkeit in Speise und Trank, soweit es die Gesundheit erlaubt. Wenn aber eine nicht fasten kann, soll sie wenigstens außerhalb der Tischzeit keinerlei Speise zu sich nehmen, sie sei denn krank.“

So gelten also für uns im Hinblick auf die Nahrungsmenge die allgemeinen Vorschriften der Kirche, welche für Katholiken des lateinischen Ritus derzeit nur am Aschermittwoch und am Karfreitag eine Einschränkung in der Weise gebieten, dass an diesen beiden Tagen lediglich eine einzige Mahlzeit als Sättigungsmahlzeit eingenommen werden darf und dazu noch zwei kleinere Stärkungen, die zusammen nicht die Menge einer Sättigungsmahlzeit ausmachen sollen.

Typische Fastenspeise am Gründonnerstag: Kräutersuppe

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Hochfest des heiligen Augustinus von Hippo

Gemälde des heiligen Augustinus (links) und des heiligen Alto (rechts)

Heute begehen wir den Gedenktag des heiligen Kirchenlehrers Augustinus von Hippo, welcher in unserem Orden als Hochfest gefeiert wird, weil Augustinus unser sogenannter Regelvater ist, das heißt, weil wir (auch) nach der von ihm verfassten Ordensregel leben. In der Antike gab es eine Vielzahl von Ordens- und Klosterregeln; teilweise hatte jede Gemeinschaft ihre eigene, die nur für sie galt. Es gab aber einige Mönchsregeln, die besonders gelungen waren und sich als hilfreicher für die Gestaltung eines des gottgeweihten Lebens erwiesen als andere und die daher von mehreren Klöstern und Gemeinschaften übernommen wurden, so zum Beispiel die Regel des heiligen Pachomius, die des heiligen Basilius des Großen, die des heiligen Kolumban von Luxeuil, die des heiligen Benedikt von Nursia oder eben die des heiligen Augustinus von Hippo.

Aufgrund von Canon 13 des Vierten Laterankonzils 1215 war es dann gar nicht mehr erlaubt, nach einer völlig neuen Regel zu leben, sondern ein neuer Orden musste auf eine bestehende Regel zurückgreifen und konnte diese lediglich durch sogenannte „Konstitutionen“ ergänzen. Auch die Erlöserregel, nach der unser Erlöserorden lebt, ist daher strenggenommen lediglich eine Konstitution. Zwar ist im 26. Kapitel der Erlöserregel verfügt, dass Zusätze zu dieser von einigen frommen Brüdern von den Regeln Benedikts oder Bernhards – dieser war eine der maßgeblichen Gründergestalten des Zisterzienserordens, eines Reformzweiges des Benediktinerordens, zu welchem Birgitta eine besondere Nähe hatte, weil ihr Ehemann Ulf und ihr Sohn Bengt im Zisterzienserkloster Alvastra lebten – verfasst werden sollten, wenn die Regel durch den Papst bestätigt sein würde, aber Papst Urban VIII. fand, als er die Erlöserregel approbierte, dass diese am meisten dem Geist der Augustinerregel entspreche, und ordnete daher an, dass der von der heiligen Birgitta gegründete Orden die Augustinerregel zu übernehmen habe.

Darstellung des heiligen Augustinus auf einem Deckengemälde in unserer Chorkapelle

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