Lourdesgrotte im Chor der Laienschwestern im Kloster Altomünster
Nachdem die allerseligste Jungfrau Maria am 11. Februar 1858 in der „Massabielle“ genannten Felsenhöhle am Fluß Gave de Pau bei dem kleinen Pyrenäendorf Lourdes erstmals der vierzehnjährigen Müllerstochter Bernadette Soubirous erschienen war, in späteren Erscheinungen eine heilkräftige Quelle entspringen lassen und sich schließlich als die Unbefleckte Empfängnis zu erkennen gegeben hatte, wurde der Erscheinungsort rasch zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte der Welt, der insbesondere Pilger anzieht, die um Heilung von Krankheiten bitten, weswegen auf dieses Datum auch der Welttag der Kranken gelegt wurde. Auch Lourdesgrotten (wir haben in unserem Kloster selber eine in der Kapelle der Laienschwestern und eine weitere in der Klosterkirche), Lourdesmadonnen mit dem Aussehen Marias bei ihren Erscheinungen (schlichtes, vollständig weißes Gewand mit einfachen, enganliegenden Ärmeln, mantelartigem weißem Schleier und langem hellblauem Stoffgürtel ähnlich einem priesterlichen Zingulum, aber mit den herunterhängenden Enden mittig vor dem Bauch, je eine goldene Rose auf den unbeschuhten Füßen, gefaltete Hände, in der Regel großer Rosenkranz über dem rechten Arm, häufig zwölf Sterne um das Haupt und stets ohne Jesuskind) und ganze Zeitschriftenreihen mit Titeln wie „Lourdes-Rosen“, „Der Lourdes-Pilger“ oder „Echo der Annalen Unserer Lieben Frau von Lourdes“ fanden rasch Verbreitung, so daß bereits zum 50. Jahrestag der ersten Erscheinung im Jahr 1908 das Fest der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria für den lateinischen Ritus eingeführt wurde, welches bei der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum seinen heutigen Namen erhielt.
Anmerkung: Einige dieser Lieder, die wir ohne Melodien vorgefunden haben, haben wir mit eigenen Melodien versehen. Diese dürfen gerne zur Ehre Gottes kostenfrei verwendet und gesungen werden, aber bitte nicht mit einem anderen, weltlichen oder unkatholischen, Text unterlegt werden.
Bei diesen Liedern handelt es sich teilweise um Wallfahrtslieder, die während einer Pilgerreise nach Lourdes zu singen sind, oder um solche, die eine sehr spezifische Situation vor Augen haben und daher nicht für jede Gelegenheit passen, bei der Unsere Liebe Frau von Lourdes geehrt werden soll, aber wir möchten sie dennoch hier präsentieren, um ihnen weitere Verbreitung zu verschaffen.
An sich sollte man annehmen, daß das Hochfest der Gottesmutter das erste und ursprünglichste aller Marienfeste wäre, da alles, was Maria so besonders macht, davon abhängt. Denn hätte Gott Maria nicht zu seiner Mutter erwählt, dann hätte er sie nicht im Hinblick auf die künftigen Verdienste ihres Sohnes vor der Erbsünde bewahrt hätte ihr also nicht den einzigartigen Gnadenvorzug der Unbefleckten Empfängnis gewährt und auch nicht den der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Auch alle Ereignisse ihres Lebens hätten für uns dann keine so herausragende Bedeutung und wir würden weder Mariä Geburt feiern noch Mariä Opferung, und Mariä Verlobung würde uns nicht mehr interessieren als die irgendeines anderen Mädchens. Mariä Verkündigung und Mariä Heimsuchung hätten nicht einmal stattgefunden und wenn ihr Sohn nicht Gott gewesen wäre, wäre Mariä Reinigung nichts weiter als ein alltägliches Ritual, welches pro Jahr von tausenden und abertausenden jüdischen Frauen vollzogen wurde, und Mariä Namen nichts weiter als ein gewöhnlicher Name, den tausende jüdischer Frauen ebenfalls trugen; allein schon unter dem Kreuz Jesu hatten sich in der kleinen Schar der Getreuen, die bei ihm ausharrten, noch zwei weitere Trägerinnen dieses Namens eingefunden. Hätte Maria nicht die menschgewordene zweite Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit geboren, so würden wir weder eine Maiandacht pflegen noch eine Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen, wir würden sie weder mit dem Rosenkranz ehren noch mit der Lauretanischen Litanei. Zwar wären Mariä Schmerzen ihr erspart geblieben, aber sie wäre auch nicht Maria Königin geworden.
Doch trotz der überragenden Bedeutung der Gottesmutterschaft für Marias Stellung und Wichtigkeit wurde ein Fest Mariä Mutterschaft erst sehr spät für die Universalkirche eingeführt. Zwar wurde es erstmals im Jahr 1751 in Portugal am dritten Sonntag im Mai gefeiert und wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts auch in etlichen deutschsprachigen Diözesen gestattet, wo es am zweiten Sonntag im Oktober zusammen mit dem Rosenkranzfest am ersten, dem Fest Mariä Reinheit am dritten und dem Fest Mariä Schutz am vierten Sonntag diesem Monat ein marianisches Gepräge gab, aber erst 1931, zum 1500. Jubiläum des Konzils von Ephesus, auf dem der Titel „Gottesmutter“ bzw. „Gottesgebärerin“ für die allerseligste Jungfrau dogmatisiert worden war, setzte Papst Pius XI. den 11. Oktober, auf den in jenem Jahr der zweite Sonntag im Oktober fiel, als Fest der Mutterschaft Mariens für die ganze lateinische Kirche fest. Schon 1970 wurde es als eigenes Fest wieder abgeschafft, indem ein Hochfest der Gottesmutter Maria mit dem Oktavtag von Weihnachten am 1. Januar zusammengelegt wurde, wo es nun meist mit Weihnachtsliedern gefeiert wird, nachdem zuvor bereits das ehedem an diesem Tag begangene Fest der Bescheidung des Herrn aus dem Kalender gestrichen worden war. So kommt es, daß nur wenige Lieder speziell für das Fest Mariä Mutterschaft verfaßt oder in den Gesangbüchern für dieses vorgesehen wurden, auch wenn sich darüber hinaus auch alle Lieder, in denen Maria als Mutter Gottes oder Mutter des Herrn angesprochen wird, für dieses Hochfest eignen.
Aufgrund der geringen Zahl an Liedern speziell zu Mariä Mutterschaft, nämlich nur
wollen wir die Gelegenheit ergreifen, um hier auch Lieder zu den kleineren Marienfesten zu präsentieren, denen wir im vergangenen Jahr keinen eigenen Artikel gewidmet haben.
Mutter des guten Rates (26. April)
Kopie des Gnadenbildes der Mutter des guten Rates im Kloster Altomünster
Da Maria bei der Hochzeit zu Kana den Dienern des Brautpaares den auch sonst sehr beherzigenswerten Rat gab „Was er (Jesus) euch sagt, das tut“, eine Mutter ihren Kindern, die wir als Christen ja alle für Maria sind, stets mit gutem Rat zu helfen bereit ist und Maria zugleich die Mutter desjenigen ist, der nach Jesaja 9,5 „wunderbarer Ratgeber“ genannt wird, ist sie gleich in doppeltem Sinne die Mutter des guten Rates. Unter diesem Titel wird sie darum nicht nur in der Lauretanischen Litanei angerufen, sondern auch in einer im Original in Genazzano östlich von Rom befindlichen und in vielen Kopien in aller Welt verbreiteten Ikone, wo das Jesuskind den rechten Arm um den Hals Marias schlingt, seine linke Hand auf ihre Brust legt und seine Wange an die ihrige schmiegt und über dem Haupt der Mutter ein charakteristisches farbiges Band bzw. ein zu einem vollen Kreis geschlossener Regenbogen schwebt. In etlichen Ordensgemeinschaften und Diözesen und natürlich Pfarreien mit dem Patrozinium Maria Rat wird am 26. April ein eigenes Fest zu Ehren von Maria, der Mutter des guten Rates gefeiert.
Seit Jahrhunderten vom bayerischen Volke innig verehrt und besonders in den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges um Schutz angefleht, wovon noch heute die Mariensäule im Herzen Münchens zeugt, die Kurfürst Maximilian I. als Dank für die Bewahrung der Städte München (wo damals auch unser Konvent Zuflucht fand) und Landshut in diesem verheerendsten aller Kriege auf bayrischem Boden errichten ließ, wurde Maria erst im Ersten Weltkrieg auf Bitten des damaligen Königs Ludwig III. von Papst Benedikt offiziell als Schutzfrau Bayerns bestätigt. Ikonographisch wird sie mit rotem Kleid, blauem, unter dem rechten Arm hindurch nach vorne gezogenen Mantelumhang, offenem Haar, einer großen goldenen Krone, meist in Form einer geschlossenen Bügelkrone oder einer Mitrenkrone, einem langen Szepter in der Rechten und dem einen Reichapfel in der Hand haltenden Jesuskind auf dem linken Arm auf einer schmalen Mondsichel stehend dargestellt.
Statue Unserer Lieben Frau von Fatima im Kloster Altomünster
Als eines der jüngsten Marienfeste wurde der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Fatima von Papst Johannes Paul II. in den Generalkalender eingeführt, nachdem er am 13. Mai 1981, also genau am 64. Jahrestag ihrer ersten Erscheinung vor drei Hirtenkindern im Dorf Fatima in Portugal im Jahre 1917, ein Attentat knapp überlebt hatte.
Kopie des Gnadenbildes Mariahilf in Moosbronn. Bildquelle
Seit alters her wurde Maria von den Gläubigen um Hilfe angefleht, ganz besonders dann, wenn Feinde des Glaubens das christliche Volk auch militärisch bedrohten, und in zahlreichen Fällen erwies sie sich als mächtige Verteidigerin ihrer Kinder, sei es bei der Schlacht von Lepanto, die zur Einführung des Rosenkranzfestes führte, sei es bei der Befreiung Wiens, die mit dem Fest Mariä Namen gewürdigt wurde, oder bei der Bewahrung Münchens und Landshuts, in deren Folge Maria zur Patrona Bavariae erklärt wurde. Besonders in Tirol, Süd- und Ostbayern bis hin nach Wien verband sich die Verehrung Marias als Hilfe der Christen mit dem von Lukas Cranach dem Älteren geschaffenen Gnadenbild Mariahilf, dessen Original sich in Innsbruck befindet, aber in zahlreichen Kopien weite Verbreitung gefunden hat. Als eigenes Fest wurde „Maria, Hilfe der Christen“ dann von Pius VII. eingeführt und auf den Tag seiner Rückkehr aus beinahe fünfjähriger Gefangenschaft in den Händen Napoleons am 24. Mai 1814 festgelegt.
Altarbild der Sieben Freuden Marias im Kathedralmuseum von Urgell.
Die sieben Freuden Mariens bilden das Gegenstück zu den Sieben Schmerzen Mariä. Welche es genau sind, ist nicht verbindlich festgelegt, weswegen sich die verschiedenen Andachten und Lieder wie auch die bildlichen Darstellungen unterscheiden. Alle weisen eine Überschneidung teils mehr mit den Geheimnissen des freudreichen Rosenkranzes, teils mehr mit denen des glorreichen Rosenkranzes auf. So wird stets die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel genannt, manchmal auch die Heimsuchung, immer die Geburt Jesu, fast immer die Anbetung durch die Könige, nur ausnahmsweise die Darstellung des Herrn im Tempel, die ja zugleich mit dem ersten der Sieben Schmerzen verbunden ist, oft die Wiederfindung Jesu im Tempel, immer seine Auferstehung, meistens seine Himmelfahrt, häufig die Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten und oft auch die Aufnahme Marias in dem Himmel bzw. ihre Krönung, was manchmal mit der Himmelfahrt ihres Sohnes zusammengefaßt wird. Nur ganz selten wird daneben die ewige Seligkeit im Himmel als gesonderte Freude genannt und in einem Sonderfall als erste Freude bereits Marias eigene Unbefleckte Empfängnis. Wir geben darum zu jedem Lied an, welche Freuden darin besungen werden.
Die Einsiedler, die sich nach dem Vorbild des Propheten Elija auf dem Berg Karmel im Heiligen Land niedergelassen hatten und aus welchen schließlich der Karmeliterorden entstand, verehren Maria unter dem Titel Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, nachdem sie dem seligen Simon Stock, dem Ordensgeneral der Karmeliten erschienen war und ihm das Skapulier überreicht hatte mit dem Versprechen, daß jeder, der dieses ihr Kleid trage, unter ihrem besonderen Schutz stehe. Das Karmelfest wird daher auch als Skapulierfest bezeichnet. Typologisch wird die kleine Wolke, die der Diener des Propheten Elija nach 1 Könige 18,44 vom Berge Karmel aus aus dem Meer aufsteigen sah und die endlich den langersehnten Regen brachte, als Vorausbild der Muttergottes betrachtet, weil sie der Welt den Heiland brachte, der nach den Worten von Psalm 72,6 wie Regen auf die Felder herabströmen soll und dessen Kommen in Adventsliedern wie „Rorate, caeli, desuper“ mit Worten wie „Tauet, Himmel, den Gerechten, Wolken, regnet ihn herab“, erfleht wird. In der Ikonographie wird Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel daher gern auf einer Wolke stehend oder thronend gezeigt, oft mit einem brauen Karmelitenhabit und wollweißem Umhang bekleidet (in Spanien allerdings auch manchmal mit einem andersfarbigen Gewand und blauem, sternenverziertem Mantel oder Schleier), meist mit weißem Schleier und Krone und in der Regel mit dem Kind auf dem Arm oder dem Schoß, das üblicherweise wie sie selbst ein kleines braunes Skapulier in der Hand hält.
Der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Loreto, der von Papst Franziskus im Jahre 2019 auf die gesamte lateinische Kirche ausgedehnt wurde, erinnert an die Übertragung des Hauses Marias beziehungsweise der Heiligen Familie, welches sie in Nazareth bewohnte, in die Stadt Loreto in Italien, wohin es der Überlieferung nach in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1294 von Engeln gebracht wurde, auch wenn prosaischere Zeitgenossen annehmen, es sei die byzantinische Familie der Angeloi (angelos/ἄγγελος, Plural angeloi/ἄγγελοι, ist das griechische Wort für „Engel“) gewesen, die das heilige Haus vor den islamischen Invasoren im Heiligen Land in Sicherheit brachte und es Stein für Stein auf ein Schiff verladen und in Loreto wieder aufbauen ließ. Dabei wäre allerdings erstaunlich, daß dieser Aufbau buchstäblich über Nacht geschehen sein sollte und in Loreto, wie archäologische Untersuchungen gezeigt haben, auch keinerlei Fundament für das Haus gelegt wurde, sondern dieses mitten auf einer Straße, von der zuvor noch nicht einmal das Unkraut entfernt, sondern einfach mit überbaut wurde, wiedererrichtet wurde.
Jedenfalls wurde aus dem Tagesgebet, welches im Birgittinischen Brevier noch in der Auflage von 1908 mit den Worten
„Deus, qui Beatae Mariae Virginis Domum per Incarnati Verbi mysterium misericorditer consecrasti, eamque in sinu Ecclesiae tuae mirabiliter collocasti: concede; ut, segregati a tabernaculis peccatorum, digni efficiamur habitatores Domus sanctae tuae.“
also
„Gott, der du das Haus der Seligen Jungfrau Maria durch das Geheimnis des inkarnierten Wortes barmherzig geheiligt und es wunderbar im Schoß deiner Kirche plaziert hast: gewähre, daß wir, abgesondert von den Zelten der Sünder, zu würdigen Bewohner deines heiligen Hauses gemacht werden.“
auf die wunderbaren Umstände, unter denen das Heilige Haus nach dem Verlust des Heiligen Landes wieder in den Besitz der Kirche kam, verwies, jeder Hinweis auf diese Umstände getilgt, so daß es jetzt nur noch lautet:
„Deus, qui promissa Patribus adimplens beatam Virginem Mariam elegisti, ut Mater fieret Salvatoris, concede nobis illius exempla sectari, cuius humilitas tibi placuit, et obodientia nobis profuit.“
also
„Gott, der du, die Verheißungen an die Väter erfüllend, die selige Jungfrau Maria erwählt hast, daß sie die Mutter des Erlösers werde, gewähre uns, den Beispielen jener [Jungfrau] zu folgen, deren Demut dir gefallen und deren Gehorsam uns genutzt hat.“
Beide Fassungen weisen jedoch darauf hin, was dieses Haus so besonders macht: Es war der Ort, an dem das Wort Gottes Fleisch wurde, der Ort, an dem Gott erstmals leibhaftig auf diese Erde kam, und wenn schon der Ort, an dem er sich dem Mose nur geistig in einem brennenden Dornbusch zeigte, so heilig war, daß Mose dort die Schuhe ausziehen sollte (Exodus 3,5), dann ist dieses Haus, in dem er auch nach seiner Geburt in Bethlehem und der anschließenden Flucht nach Ägypten für fast drei Jahrzehnte lebte, natürlich erst recht heilig.
Marienbildnis im Stile Unserer Lieben Frau von Loreto im Kloster Altomünster
Man könnte hier noch viele schöne Überlegungen zum fleischgewordenen Wort Gottes, das unter uns gewohnt hat (Johannes 1,14) zur Wohnung Gottes unter den Menschen (Offenbarung 21,3), zur Weisheit, die sich ihr Haus gebaut hat (Sprichwörter 9,1), oder dazu, daß es besser ist, im Haus Gottes an der Schwelle zu stehen, als in den Zelten der Frevler wohnen (Psalm 84,11), anstellen, aber da es kaum Lieder speziell zu diesem Gedenktag gibt und sich aufgrund seiner Verbindung zum Geheimnis der Menschwerdung und seiner Lage in der Adventszeit die Lieder zum Fest Mariä Verkündigung für die Feier dieses Tages anbieten, wollen wir diesen Tag, an dem sich genau heuer, im Jahre 2025, die Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima vor Lucia dos Santos in Pontevedra, in der sie um die Verbreitung der Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen bat, zum hundertsten Male jährt, nutzen, um Maria, zu deren Lob man nach dem geflügelten Wort „De Maria numquam satis“ ohnehin nie genug sagen kann, mit einigen Liedern zur Lauretanischen Litanei, die nach dem Wallfahrtsort Loreto benannt ist und einige ihrer schönsten Ehrentitel entfällt, zu preisen.
Das Fest Mariä Opferung, welches in den orientalischen Kirchen auch „Mariä Tempelgang“ genannt wird und in den von der deutschen Bischofskonferenz verantworteten liturgischen Büchern mittlerweile die leider etwas unanschauliche Bezeichnung „Unsere Liebe Frau in Jerusalem“ erhalten hat, auch wenn das Meßbuch Johannes Pauls II. es weiterhin „In Praesentatione Beatae Mariae Virginis“, also „Zur Darstellung der seligen Jungfrau Maria“ nennt, ist wohl das Marienfest mit den meisten Bezügen zum Alten Bund. Da es im November gefeiert wird, der auf der Südhalbkugel im Frühling liegt, wird in einigen lateinamerikanischen Bistümern eine Entsprechung zu unseren Maiandachten in der Zeit vom Fest Mariä Opferung bis zum Oktavtag von Mariä Empfängnis, also bis zum 15. Dezember, gefeiert, weil, wie wir bei den Liedern zur Maiandacht dargelegt haben, der Frühling mit seiner Blütenpracht in vielerlei Weise auf Maria bezogen werden kann.
Festinhalt ist der im Protevangelium des Jakobus und anderen nichtkanonischen Schriften wie etwa dem Libellus de Nativitate Sanctae Mariae (in deutscher Übersetzung bezeichnet als „Evangelium von der Geburt der Maria“) überlieferte mehrjährige Aufenthalt der Gottesmutter im Jerusalemer Tempel, genauer gesagt, dessen Beginn. Wie wir bereits bei den Liedern zu Mariä Geburt geschildert haben, waren Marias Eltern Joachim und Anna lange Zeit kinderlos, und als Anna endlich von einem Engel die ersehnte Geburt eines Kindes angekündigt wurde, legte sie sofort das Gelübde ab, dieses Kind Gott zu weihen. Ähnlich wie die Mutter Simsons, der von einem Engel auferlegt worden war, bereits während der Schwangerschaft alles zu meiden, was ihr Kind verunreinigen konnte (Buch der Richter 13,4), war Anna sorgfältig darauf bedacht, alles Unreine von Maria fernzuhalten, und ließ daher sogar ein kleines Heiligtum in ihrem Haus errichten, das ihrer Tochter als Wiege und Laufstall diente, damit sie nicht einmal den Boden berührte.
Als Maria drei Jahre alt geworden und von der Mutterbrust entwöhnt war, ließen ihre Eltern unbefleckte Jungfrauen mit Fackeln kommen, um Maria in den Tempel zu führen. Dort wurde sie vom Priester in Empfang genommen, der sie küßte, segnete, über sie prophezeite, daß Gott an ihr die Erlösung der Kinder Israel offenbar werden lasse, und sie auf die dritte Stufe des Altars stellte, wo Gott seine Gnade über sie ausgoß, so daß sie vor Freude zu tanzen begann, während der Libellus de Nativitate Sanctae Mariae die Szene so beschreibt, daß Joachim und Anna ihre Tochter auf eine der 15 Stufen, die zum Tempel hinaufführten, setzten, worauf sie ganz alleine und ohne sich auch nur nach ihren Eltern umzusehen die gesamte Treppe erklomm. Maria blieb daraufhin im Tempel, wo sie mit anderen Tempeljungfrauen erzogen wurde, ihre Nahrung aus der Hand von Engeln empfing und Gott beständig im Tempel diente, bis sie nach ihrer Verlobung mit Joseph das Heiligtum verlassen mußte.
Die Geschichte von der Geburt der Maria und der Kindheit des Heilandes, die von dem Handschriftenforscher Konstantin von Tischendorf den Namen „Pseudo-Matthäus-Evangelium“ erhielt, schildert darüber hinaus in aller Breite Marias Kunstfertigkeit in weiblichen Handarbeiten, ihren Gebetseifer, ihre Vortrefflichkeit in allen Tugenden, ihr mustergültiges Betragen gegen jedermann, ihre Sorge für ihre Nächsten bis hin zu Wunderheilungen, ihren vertrauten Umgang mit Engeln und ihren mit Vorbildern von Abel bis Elias begründeten Entschluß, auf immer jungfräulich leben zu wollen – eine Reihe von Themen, die auch in einigen der folgenden Lieder aufgegriffen werden.
Anmerkung: Einige dieser Lieder, die wir ohne Melodien vorgefunden haben, haben wir mit eigenen Melodien versehen. Diese dürfen gerne zur Ehre Gottes kostenfrei verwendet und gesungen werden, aber bitte nicht mit einem anderen, weltlichen oder unkatholischen, Text unterlegt werden.
Nach dem Marienmonat Mai, in dem die allerseligste Jungfrau mit Maiandachten geehrt wird, ist der Rosenkranzmonat Oktober der zweite ihr geweihte Monat, in dem vor allem das Gebet des Rosenkranzes gepflegt werden soll, zu welchem allein der unmittelbare Namensvorgänger unseres derzeitigen Heiligen Vaters, Papst Leo XIII., über ein Dutzend Enzykliken verfaßt hat. Die Wurzeln dieses Gebetes sind freilich weitaus älter, ja in Teilen sogar älter als das Christentum, denn es besteht hauptsächlich aus den Worten des Ave Maria, die bereits der Erzengel Gabriel bei der Verkündigung an Maria und die heilige Elisabeth bei der Heimsuchung Mariä gesprochen haben. Doch auch die Praxis, eine bestimmte Anzahl von Gebeten zu sprechen und sie durch Perlen, Körner oder Steinchen zu zählen, geht schon auf die Antike zurück. So pflegte der heilige Paulus von Pherme, einer der ägyptischen Wüstenväter, jeden Tag dreihundert Steinchen aufzusammeln und danach bei jedem der dreihundert Gebete, die sein tägliches Gebetspensum bildeten, ein Steinchen wegzuwerfen.
Schon bei den frühen Mönchen war es jedoch üblich, vor allem die Psalmen zu beten und zwar alle 150 an einem Tag statt wie später jahrhundertelang in einer Woche bzw. seit der Liturgiereform über einen Zeitraum von vier Wochen hinweg. Für gläubige Laien, denen die Zeit, ein Brevier, die Lesefähigkeit oder die Gedächtniskapazität zum Auswendiglernen der Psalmen fehlten, wurde der Rosenkranz mit 150 Ave Marias zum Ersatz für das Psalmengebet, weswegen eigentlich dieser heute sogenannte „Große Psalter“ das ursprünglichere Rosenkranzgebet war. Diese langen Rosenkranzketten mit 15 Gesätzen findet man heute meist nur noch an den Gürteln mancher Ordensleute (nicht bei uns, denn bei uns hat der Rosenkranz sechs Gesätze, weil das zusammen mit den drei Ave Marias in der Einleitung, die für die Erlangung der drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe gebetet werden, die Zahl 63 ergibt, was nach den der heiligen Birgitta zuteil gewordenen Offenbarungen der Zahl der Lebensjahre der Muttergottes entspricht, da diese 15 Jahre vor der Empfängnis ihres göttlichen Sohnes, während der 33 Jahre seines irdischen Lebens und 15 weitere Jahre nach seiner Himmelfahrt lebte), während sich landläufig die Version mit fünf Gesätzen durchgesetzt hat. Noch vor kaum mehr als hundert Jahren bezeichnete Unsere Liebe Frau von Fatima das Beten von 50 Ave Marias allerdings als „ein Drittel“ des Rosenkranzes.
Die allerseligste Jungfrau hat den Gläubigen das Beten des Rosenkranzes auch nicht erst seit ihren Erscheinungen in Fatima, wo sie es als Mittel zur Erlangung des Friedens für die Welt empfahl, ans Herz gelegt, sondern schon dem heiligen Dominikus gab sie den Rosenkranz als Waffe im Kampf gegen die Irrlehren und für die Bekehrung und Rettung der Seelen. Seither haben unzählige Diener Gottes und der Kirche ihm empfohlen, wie zum Beispiel der heilige Pater Pio von Pietrelcina, der ihn als Waffe gegen die Übel unserer Zeit bezeichnete. Vor allem Exorzisten berichten von seiner großen Macht gegen das Böse und Erfolge wie der des Rosenkranzsühnekreuzzugs von Pater Petrus Pavliček, mit dem Österreich schon 1955 von kommunistischer Besatzung befreit werden konnte, belegen dies eindrucksvoll.
Dieser großen Wirksamkeit gegen jede Art von Gefahren, die die Christenheit bedrohen, verdanken wir schließlich auch das heutige Fest, denn wie das Fest Mariä Namen nach der Rettung Wiens am 12. September 1683, so fand auch das Fest der allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkranz nach durch das Rosenkranzgebet ganzer Völker herbeigeflehten großen Erfolgen bei der Abwehr der Türkengefahr Eingang in den liturgischen Kalender. Es wurde nach der Schlacht bei Lepanto unter Führung von Don Juan de Austria am 7. Oktober 1571 von Papst Gregor XIII. zunächst für alle Kirchen, in denen sich ein Rosenkranzaltar befand, eingeführt und nach der Schlacht bei Peterwardein unter dem Befehl von Prinz Eugen von Savoyen am 5. August (also am Fest Mariä Schnee) 1716 von Papst Clemens XI. auf die ganze Kirche ausgedehnt. Wegen des Sieges in der Seeschlacht von Lepanto findet sich bisweilen auch der Titel „Unsere Liebe Frau vom Sieg“ sowohl als Name des Festes als auch als Anrufung Marias.
Weitaus verbreiteter sind aber die Bezeichnungen „Rosenkranzfest“ und „Königin des heiligen Rosenkranzes“, die auch in die Lauretanische Litanei aufgenommen wurde, oder kurz „Rosenkranzkönigin“. Über den Bezug der Muttergottes zur Rose haben wir in den Liedern zur Maiandacht bereits geschrieben, so daß es nahelag, nachdem die Gebetsschnur für die Zählung der Gebete allein schon durch ihre Form an einen Kranz erinnert, von einem Rosenkranz zu sprechen. Die einzelnen Perlen bzw. Gebete werden dabei im übertragenen Sinn als Blumen verstanden, die Maria überreicht werden, um sie zu ehren und zu erfreuen. Weil es im klassischen Rosenkranz die freudreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse gibt, werden diesen verschiedene Farben zugeordnet, nämlich weiß, was zugleich die liturgische Farbe für Weihnachten und für Marienfeste ist, dem freudreichen Rosenkranz, rot, was zugleich die liturgische Farbe vor allem für Feste ist, die mit dem Leiden in Verbindung stehen, wie etwa alle Märtyrerfeste, aber auch die Herrenfeste Palmsonntag, Karfreitag, Kostbares Blut und Kreuzerhöhung, dem schmerzhaften Rosenkranz und gold/gelb, was vor allem an Ostern als Variante der liturgische Farbe weiß zum Einsatz kommt, für die glorreichen Geheimnisse. In manchen der folgenden Lieder steht allerdings die Farbe (himmel)blau für die glorreichen Geheimnisse, die an Marienfesten die liturgische Farbe weiß vertreten darf. Das häufigere ist jedoch die Farbtrias weiß – rot – goldgelb, die auch in Darstellungen Marias als Rosa mystica mit drei Rosen in den genannten Farben an ihrer Brust begegnet.
Genau eine Woche nach dem freudvollen Fest Mariä Geburt feiern wir das Gedächtnis der Schmerzen Mariä, welches uns daran erinnert, daß das Leben der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter trotz der vielen freudigen Ereignisse, die wir in all den anderen Marienfesten begehen, auch großes Leid und Schmerz kannte, obwohl sie, da sie niemals nur die kleinste Sünde beging, nichts davon verdiente und dessen auch nicht nach der Lebensweisheit, wonach Not beten lehrt, bedurfte. Wie aber ihr Sohn freiwillig das Erlöserleiden auf sich nahm, so nahm auch Maria freiwillig in aller Demut und Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes an diesem Leiden teil und dies in einer Intensität, daß sie bereits seit dem Mittelalter bisweilen auch als „Miterlöserin“ bezeichnet wird. Dies ist freilich keinesfalls in dem Sinne zu verstehen, daß ihr göttlicher Sohn uns nicht auch allein hätte erlösen können und tatsächlich erlöst hat. Auch die Erbsünde wäre ja auch dann über uns alle gekommen, wenn nur einer unserer Stammeltern im Paradies gesündigt hätte. Da aber sowohl der alte Adam als auch die erste Eva durch ihre Sünde das Unheil über uns alle gebracht haben, war es angemessen, daß zusammen mit dem neuen Adam (also Christus, vergleiche 1. Korintherbrief 15,22.45) auch die neue Eva (als die Maria gilt, wie wir bereits bei den Liedern zur Maiandacht erwähnt haben) durch ihr freiwilliges Leiden dafür Sühne leistet und uns das Heil bringt.
Maria wurde zwar ebenfalls durch Christi Leiden erlöst, da ihr der besondere Gnadenvorzug der unbefleckten Empfängnis im Hinblick auf seine künftigen Verdienste am Kreuz gewährt wurde, aber sie hat, da sie Gottes Gebote niemals auch nur im geringsten übertreten hat, durch keinerlei eigene Sünde zu seinen Leiden beigetragen, ganz anders als wir. Das sollten wir uns vor Augen halten, wenn wir daran denken, daß es gerade unter dem Kreuz war, wo Maria, als der Heiland ihr seinen Lieblingsjünger als Sohn anvertraute, auch unsere Mutter wurde: Sie nahm uns gerade in dem Augenblick, in dem sie sehen mußte, welch gräßliches Leid wir durch unsere Sünden, für die er zu Tode gefoltert wurde, ihrem einzigen, innigst geliebten Sohn zufügten, dennoch voller Liebe als ihre Kinder an. Es wird insofern auch davon gesprochen, daß Maria, die ihren leiblichen Sohn einst ohne Schmerzen geboren hatte, weil der auf Eva liegende Fluch, unter Schmerzen gebären zu müssen, sie wegen ihrer unbefleckten Empfängnis nicht treffen konnte, uns als ihre geistlichen Kinder unter umso größeren Schmerzen geboren hat.
Als Schmerzensmutter unter dem Kreuz wird Maria von den Gläubigen vor allem in eigenem Leid angerufen, weil sie selbst diese Erfahrung des Leids gemacht hat und insofern gerade den Leidenden besonders nahe ist. Bevor die Liturgiereform die beiden Feste zusammenlegte, gab es noch ein weiteres Fest, das den Namen „Mariä Mitleiden“ trug und am Freitag vor dem Karfreitag, der darum auch als „Schmerzensfreitag“ bezeichnet wurde, gefeiert wurde. Dieser Tag hat, abgesehen von der generellen Bedeutung von Mariä Schmerzen für den Birgittenorden, die wir hier bereits einmal erwähnt hatten, gerade für unser Kloster noch eine weitere Bedeutung dadurch erlangt, daß am Schmerzensfreitag des Jahres 1842, damals ein 18. März, unser Kloster Altomünster 39 Jahre nach der Auflösung der Säkularisation wiedereröffnet werden durfte. Das Leiden Marias unter dem Kreuz war nämlich ein reines Mitleiden, da ihr selbst kein körperliches Leid zugefügt wurde, sondern ihr Schmerz ausschließlich seelischer Art war, dabei aber ein solches Ausmaß erreichte, daß er, wie wir bereits bei den Liedern zum Fest Mariä Himmelfahrt erwähnt haben, sämtliche Todesschmerzen umfaßte. Dieses Mitleiden Marias gilt ausweislich der Festliturgie, in welcher der Ruf vor dem Evangelium „Halleluja. Halleluja. Selig bist du, Jungfrau Maria! Ohne den Tod zu erleiden, hast du die Palme des Martyriums verdient unter dem Kreuz des Herrn. Halleluja.“ lautet, als ein unblutiges Martyrium und Maria trägt unter anderem deswegen auch den Titel „Königin der Märtyrer“.
Bei der Kreuzigung Jesu erfüllte sich die Weissagungen Simeons bei der Darstellung des Herrn im Tempel, daß ihr ein Schwert durch die Seele dringen werde, was, wie wir bereits bei den Liedern zum Fest des unbefleckten Herzens Mariä kurz angerissen haben, in der Regel als Schwert durch ihr Herz dargestellt wird, oft aber auch als sieben Schwerter, weil insgesamt sieben Schmerzen Mariens verehrt werden. In den folgenden Liedern ist daher teilweise auch von einem „siebenfachen Schwert“ die Rede.
Das Fest Mariä Namen, das nach der Rettung Wiens vor der Türkengefahr am 12. September 1683 vom seligen Papst Innozenz XI. für die ganze Kirche eingeführt und zunächst sogar auf einen Sonntag (nämlich den Sonntag innerhalb der mittlerweile abgeschafften Oktav des Festes Mariä Geburt) gelegt wurde, hat, wie schon das Fest des unbefleckten Herzens Mariä, das Fest Mariä Himmelfahrt und das Fest Maria Königin eine Parallele zu einem Herrenfest, dem ursprünglich am Sonntag zwischen dem 1. Januar (Oktavtag von Weihnachten) und dem 6. Januar (Hochfest der Erscheinung des Herrn) gefeierten und inzwischen auf den 3. Januar verlegten Fest des allerheiligsten Namens Jesu. Denn auch wenn uns Menschen nach dem Wort des heiligen Apostels Petrus in Apostelgeschichte 4,12 kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen, als der Name Jesu, so ist doch der Name gerade im biblisch-christlichen Verständnis viel mehr als einfach nur eine Bezeichnung, um ein Individuum von einem anderen unterscheiden zu können, wie es bei den Römern der Fall gewesen zu sein scheint, die ihre nachgeborenen Söhne oft einfach nur durchnumerierten, wie die langen Listen von noch im Heidentum geborenen frühchristlichen Märtyrern namens Secund(in)us, Tertius, Quartus, Qin(c)tus, Sextus/Sixtus und Septim(in)us belegen.
Bevor sich in der jüngeren Vergangenheit die Feier des Geburtstages immer mehr durchsetzte, nahm darum unter den privaten Familienfeiertagen der Namenstag den ersten Rang ein, weit vor anderen wie dem Hochzeitstag oder dem Jahrestag der Verlobung oder des ersten Kennenlernens. Das hat auch damit zu tun, daß die Namensgebung eng mit der Taufe verknüpft ist, weswegen der Vorname bisweilen auch als Taufname bezeichnet wird, vor allem dort, wo es um die Abgrenzung zu einem später angenommenen weiteren Namen, etwa dem Firmnamen, vor allem aber dem Ordens- oder Papstnamen, geht.
Schon im Alten Bund kam nicht nur dem Gottesnamen, dessen Ausrufung über dem Tempel für dessen Heiligkeit so konstitutiv wurde, daß er auch einfach als „das Haus, über dem dein [also Gottes] Name ausgerufen ist,“ (Baruch 2,26) bezeichnet werden konnte, sondern auch den Namen der Menschen große Bedeutung zu. Menschen, die von Gott besonders auserwählt wurden, bekamen von ihm einen neuen Namen. So wurde aus Abram, als Gott einen Bund mit ihm schloß, Abraham (Genesis 17,5) und aus seiner Frau Sarai wurde Sara (Genesis 17,15). Sein Enkel Jakob bekam, nachdem er sich im Kampf mit einem Engel dessen Segen ertrotzt hatte, den Namen Israel (Genesis 32,29). Die Propheten Jesaja (Jesaja 8,3) und Hosea (Hosea 1,4ff) erhielten von Gott Anweisung, welche sprechenden Namen sie ihren Kindern geben sollten, und wenn ein Mann kinderlos starb, so sollte nach dem Gesetz der Leviratsehe sein Bruder die Witwe heiraten und mit ihr einen Sohn zeugen, der den Namen des Verstorbenen weiterführen sollte, damit dieser Name nicht erlosch (Deuteronomium 25,6f). Jemandes Namen zu nennen wurde zum Ausdruck einer besonders innigen Beziehung und, wenn dies durch Gott geschah, zum Zeichen der Erwählung und Errettung, sei es die Verleihung einer besonderen Fähigkeit wie beim Kunsthandwerker Bezalel, von dem es heißt: „Seht, der Herr hat Bezalel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda, beim Namen gerufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Klugheit und Kenntnis für jegliche Arbeit“ (Exodus 35,30ff), sei es durch Schutz vor jeder Art von Gefahren, wenn Gott durch seinen Propheten ausrichten läßt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen.“ (Jesaja 43,1f).
Im Neuen Testament finden wir dann den Auftrag des Engels an Josef, dem Sohn Marias den Namen Jesus zu geben (Matthäus 1,21), und an Zacharias, seinen Sohn Johannes zu nennen (Lukas 1,13), sowie die Umbenennung der beiden Apostelfürsten, die an Stelle ihrer ursprünglichen Namen Simon und Saulus die Namen Petrus und Paulus erhielten. Angesichts dieser großen Bedeutung von Namen verwundert es nicht, daß Lukas auch den Namen der Mutter Jesu besonders hervorhebt, indem er ihm, anders als ihrem Wohnort und ihrem Verlobten, die er nur mit dem Adverb „namens“ einführt, einen ganzen Satz widmet, wenn er seinen Bericht von der Verkündigung des Herrn an Maria mit den Worten einleitet: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.“ (Lukas 1,26f). Auch Gabriel rief Maria beim Namen („Fürchte dich nicht, Maria“, Lukas 1,30) und sein „Ave Maria“ wurde, vor allem auch durch den Rosenkranz, zu einem der wichtigsten Gebetsrufe der Christenheit. Ja, sogar der Name Maria allein kann zum Stoßgebet werden, wie auch ein Kind, wenn es in großer Angst, Not oder Gefahr ist, nichts weiter ruft als „Mutti“ oder „Mama“, damit die Mutter ihm rasch zu Hilfe eilt.
Tafel mit dem Namenszug Mariä und dem Aufruf, sie zu grüßen, bei der Wallfahrtskirche Klobenstein in Tirol
Ein beeindruckendes Beispiel hierfür liefert der Wallfahrtsort Klobenstein an der Tiroler Ache, wo vor der Gnadenkapelle ein riesiger Felsen liegt, durch den ein Riß von gerade ein wenig mehr als der Breite eines menschlichen Körpers geht. Er soll den Anlaß zur Errichtung der Wallfahrtskapelle gegeben haben, indem nämlich eine Frau, die dort ihres Weges ging, von einem plötzlich herabfallenden Felsen erschlagen zu werden drohte. Die überraschende und unmittelbar drohende Gefahr ließ keine Zeit für lange Gebete, doch auf den ebenso angsterfüllten wie vertrauensvollen Ausruf „Maria“ hin spaltete sich der Fels mitten entzwei, so daß die Frau sich unverletzt in der Mitte zwischen den beiden Hälften wiederfand. Auch wenn die Lage dieses gespaltenen Felsbrockens Zweifel daran aufkommen läßt, daß er wirklich erst seit dem Beginn der Wallfahrt vor etwa dreihundert Jahren dort liegt, so belegt diese Legende doch eindrucksvoll, welch große Kraft die Gläubigen dem Namen Mariä schon seit Jahrhunderten zusprechen und welch wunderbare Hilfe sie sich von seiner Anrufung erhoffen. Es verwundert daher nicht, daß eine ganze Reihe von Liedern den Namen der größten Helferin unter allen Heiligen zelebriert.
Anmerkung: Einige dieser Lieder, die wir ohne Melodien vorgefunden haben, haben wir mit eigenen Melodien versehen. Diese dürfen gerne zur Ehre Gottes kostenfrei verwendet und gesungen werden, aber bitte nicht mit einem anderen, weltlichen oder unkatholischen, Text unterlegt werden.
Wie exakt neun Monate nach Mariä Verkündigung die Geburt Jesu Christi gefeiert wird, so wird auch genau neun Monate nach Mariä Empfängnis des Fest der Geburt Mariens gefeiert. Sie ist damit neben Johannes dem Täufer die einzige Heilige, bei der explizit der Geburtstag gefeiert wird, während sonst in der Regel nur der Todestag als Tag der Geburt für den Himmel gefeiert wird und daneben (oder stattdessen, wenn auf den Todestag bereits ein anderes Fest fällt, wie es etwa beim seligen Franz Jägerstätter der Fall ist, dessen Todestag am 9. August das Fest der heiligen Teresia Benedicta vom Kreuz ist) gegebenenfalls der Tauftag (so etwa bei unserem Regelvater, dem heiligen Augustinus, wo zumindest im Augustinerorden außer dem Hochfest des heiligen Augustinus am 28. August auch der Tag seiner Taufe in der Osternacht 387 am 24. April begangen wird, der früher sogar im Martyrologium Romanum verzeichnet war). Schließlich ist es bei allen in der Erbsünde geborenen Menschen erst die Wiedergeburt im Bad der Taufe, die sie zu Kindern Gottes macht. Die allerseligste Jungfrau Maria hingegen wurde dank ihrer unbefleckten Empfängnis schon im Stand der Gnade geboren und auch Johannes der Täufer war bereits bei seiner Geburt heilig, da er bei der Begegnung mit dem Heiland schon im Mutterleib geheiligt wurde, wie wir bei den Liedern zu Fest Mariä Heimsuchung dargelegt haben.
Daher feiern wir mit Recht den Tag, an dem erstmals überhaupt ein Mensch so geboren wurde, wie er im unverfälschten Ebenbild Gott geschaffen wurde, denn Adam und Eva, die als letzte Menschen vor Maria ohne Erbsünde ins Dasein traten, wurden ja nicht geboren, sondern unmittelbar von Gott erschaffen. Viele Lieder zu diesem Fest streichen daher das Ursprüngliche, Unverfälschte und Reine hervor, das uns in der Geburt der Gottesmutter begegnet, während Erzählendes rund um das Ereignis selbst, anders als bei den Liedern zu Mariä Verlobung oder den Liedern zu Mariä Opferung, nahezu vollständig fehlt, obwohl die selben apokryphen Quellen, die uns über diese Stationen im Leben Unserer Lieben Frau unterrichten, auch ihre Geburt und deren Vorgeschichte ausführlich behandeln.
So beginnt das Protevangelium des Jakobus damit, daß Joachim, der spätere Vater Marias, am „großen Tag des Herrn“, also vermutlich dem Versöhnungstag (wobei es interessant ist, daß dieser im Jahr 21 vor Christus, als König Herodes den Neubau des Tempels in Jerusalem begann, exakt auf den 8. September fiel), vielleicht aber auch am Fest der Tempelweihe, wie es in einer weiteren Überlieferung, dem Libellus de Nativitate Sanctae Mariae, heißt, ein Opfer darbringen wollte, um die Vergebung und das Erbarmen Gottes zu erlangen, ihm aber ein Mann aus dem Stamm Ruben mit der Behauptung entgegentrat, dies stünde ihm nicht zu, da er keine Nachkommen hervorgebracht habe. Joachim ging daher, nachdem er sich durch Nachforschungen vergewissert hatte, daß tatsächlich alle Gerechten im Volk Israel Nachkommen hinterlassen hatten, traurig in die Wüste, um dort vierzig Tage zu fasten und zu beten, derweil zuhause seine Frau Anna ebenfalls trauerte, weil sie nun nicht nur kinderlos, sondern auch noch von ihrem Mann getrennt war. In einem Augenblick besonders großer Niedergeschlagenheit erschien ihr im Garten ein Engel und kündigte ihr die Geburt eines Kindes an, das in aller Welt genannt werden würde, worauf sie sofort gelobte, dieses Kind für immer dem Dienst Gottes zu weihen. Auch Joachim wurde eine Engelserscheinung zuteil, die ihn veranlaßte, nach Hause zurückzukehren. Am Tor des Tempels von Jerusalem, wo Anna nach ihm Ausschau gehalten hatte, trafen die beiden aufeinander, was als Begegnung an der Goldenen Pforte in die Ikonographie eingegangen ist.
Die Begegnung der heiligen Anna und Joachim an der Goldenen Pforte – Darstellung auf dem Flügelalter im Kapitelsaal des Klosters Altomünster
Am nächsten Morgen konnte Joachim dann seine Opfergaben darbringen und sah dabei im Brustschild des Hohepriesters, der als Orakel diente, daß er gerechtfertigt war. Neun Monate darauf gebar Anna dann ihre Tochter und nannte sie Maria.
Manche der Lieder, die in einigen Gesangbüchern explizit für das Fest Mariä Geburt vorgesehen sind, haben mit dem Ereignis der Geburt selbst gar nichts zu tun, sie bieten aber gewissermaßen einen Ausblick auf das Leben, das Maria in der Welt, deren Licht sie am Tag ihrer Geburt erstmals erblickte, erwartete, während andere einen sehr starken Naturbezug aufweisen – so stark wie sonst nur noch die Lieder zur Maiandacht und die Lieder und die Lieder zu Mariä Heimsuchung – und alle Teile der Schöpfung auffordern, in die Freude über die Geburt der Gottesmutter einzustimmen.
Das noch recht neue, da erst von Pius XII. im Jahr 1954 für die ganze lateinische Kirche eingeführte Fest Maria Königin steht, wie wir das bereits bei den Festen Herz Mariä und Mariä Himmelfahrt gesehen haben, in Beziehung zu einem Herrenfest, nämlich dem vor hundert Jahren, zum Abschluß des damaligen Heiligen Jahres, erstmals gefeierten Christkönigsfest. Denn Christus, der nach den Worten des heiligen Paulus im 1. Korintherbrief 15,25 herrschen muß, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat (und danach natürlich erst recht herrscht) und dessen Reich als „Königreich“ bezeichnet wird – so auch in der Einheitsübersetzung explizit im Jakobusbrief 2,5, aber im griechischen („βασιλεία“ von „βασιλεύς“ = „König“), lateinischen („regnum“ von „rex“ = „König“) und aramäischen („ܡܰܠܟܽܘܬܳܐ“ von „ܡܰܠܟܳܐ“ = „ König“) Text der Heiligen Schrift auch überall dort, wo es in der Einheitsübersetzung „Himmelreich“ oder „Reich Gottes“ heißt – ist der König, wie er es auch gegenüber Pilatus bestätigt hat: „Du sagst es, ich bin ein König.“ (Johannes 18,37). Maria als seine Mutter ist darum die Königin, wie schon bei den altjüdischen Königen stets die Königsmutter den Königinnentitel trug und nicht eine der vielen Königsgemahlinnen, denn von denen hatten Könige wie David oder Salomon mit ihren riesigen Harems gleich dutzende oder gar hunderte, während die Mutter nur eine einzige war. Als solche durfte sie wie die Mutter Salomons in 1. Könige 2,19 an der rechten Seite ihres Sohnes thronen und wie wir an eben dieser Stelle der Heiligen Schrift sehen, wurde die Königin gerne mit der Bitte angegangen, sich beim König für ein bestimmtes Anliegen einzusetzen: „Rede doch mit König Salomo; dich wird er nicht abweisen.“ (1. Könige 2,17) und tatsächlich antwortete der König auf ihr Vorbringen „Eine einzige kleine Bitte hätte ich an dich. Weise mich nicht ab!“, noch bevor er das Anliegen kannte: „Sprich sie nur aus, Mutter! Ich werde dich nicht abweisen.“ (1. Könige 2,20).
Da das Fest Maria Königin wie erwähnt noch recht neu ist, gibt es kaum Lieder, die explizit für dieses Fest geschrieben wurden, dafür aber umso mehr Lieder, in denen Maria als Königin angerufen wird. So finden sich auch schon bei den Liedern zur Maiandacht (ursprünglich wurde das Fest Maria Königin ja am letzten Tag dieses Monats gefeiert), bei den Liedern zu Mariä Verkündigung (als Gabriel ihr vorhersagte, daß Gott ihrem Sohn den Thron seines Vaters David geben und er über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen werde), den Liedern zu Mariä Heimsuchung (als Elisabeth ihr als der Mutter ihres Herrn huldigte), den Liedern zu Mariä Lichtmeß, den Liedern zum unbefleckten Herzen Mariä und ganz besonders den Liedern zu Mariä Himmelfahrt (als die einige der folgenden Lieder in den Büchern, denen wir sie entnommen haben, betitelt waren), solche, in denen Maria mit dem Titel einer Königin bezeichnet wird. Von den vielen weiteren Liedern, in denen das sonst noch geschieht, haben wir darum vorrangig solche ausgewählt, die darüber hinaus noch irgendeinen Aspekt dieser königlichen Würde ansprechen, etwa ihre Königsinsignien, insbesondere ihre Krone aus zwölf Sternen, die bereits der Apostel Johannes in seiner Vision in Offenbarung 12,1 sah oder ihren Thron, auf dem sie im Himmel sitzt, bzw. ihre Nähe zum Thron Gottes, ihre Krönung durch ihren Sohn oder ihre Herrschermacht.
Das heutige Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel ist eine logische Folge aus ihrer unbefleckten Empfängnis, denn weil sie frei von der Erbsünde und jeder anderen Sünde war, hatte der Tod, der der Lohn der Sünde ist (Römerbrief 6,23), kein Recht auf sie und sollte ihr Leib die Verwesung nicht schauen. Dabei hat Pius XII., als er die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel in der Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus“ dogmatisierte, mit der Formulierung, „daß die Unbefleckte Gottesgebärerin und immerwährende Jungfrau Maria nach Vollendung des irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde“, offengelassen, ob Maria ihren irdischen Lebenslauf durch den Tod vollendete und sich so, wie wir es bereits bei den Liedern zu Mariä Lichtmeß gesehen haben, einem Gesetz unterwarf, das für sie gar nicht galt, oder ob sie, ohne zu sterben, mit dem ewigen Leben überkleidet wurde, wie Paulus es im 2. Korintherbrief 5,4 als seine Sehnsucht formuliert. Daher ist es sowohl möglich, daß Maria ihrem Sohn auch darin ähnlich wurde, daß sie ohne eigene Notwendigkeit das Todeslos der Sünder teilte, als auch, daß sie, nachdem sie bereits unter dem Kreuz die sämtliche Todesschmerzen durchlitten hatte, als ihr das Schwert des Schmerzes und Mitleidens mit ihrem Sohn durch die Seele drang, direkt in die himmlische Herrlichkeit eingehen durfte, ohne dafür das Tor des Todes durchschreiten zu müssen.
In jedem Fall hat sie, die als neue Eva Christus als dem neuen Adam zur Seite steht, mit ihm gemeinsam, daß ihre menschliche Natur als ganze bereits zur Vollendung gelangt ist, wobei sie allerdings – der in der deutschen Umgangssprache verwendeten Bezeichnung dieses Festes als „Mariä Himmelfahrt“ zum Trotz – nicht wie Christus aktiv, also aus eigener Kraft, zum Himmel auffuhr, sondern passiv in den Himmel aufgenommen wurde. Dieser Umstand, daß erst mit der Teilhabe des Leibes an der Glückseligkeit der Seele im Himmel die Erlösung des Menschen vollkommen, seine Vollendung endgültig erreicht ist, ist vor allem für uns Europäer, die wir aufgrund unserer Geistesgeschichte eine gewisse Neigung zur Geringschätzung des Leibes bis hin zur Leibverachtung haben, eine eindrückliche Mahnung, daß der Leib eben nicht, wie Platon meinte, der Kerker der Seele ist, aus dem sie durch den Tod glücklich befreit wird, sondern vielmehr, wie Paulus es formulierte, ein Tempel des Heiligen Geistes, in dem die Seele, nachdem sie in der Vereinigung mit Gott im Himmel ihr höchstes Zeil erreicht hat, in aller Freude und Freiheit wie in einem liebgewonnenen Zuhause wohnt, statt wie in einem Gefängnis darin eingesperrt zu sein.
Dazu gehört freilich, daß der verklärte Auferstehungsleib, den Maria schon bei ihrer Aufnahme in dem Himmel erhalten hat und den alle übrigen Heiligen und Seligen des Himmels erst bei der Auferstehung des Fleisches am Jüngsten Tag erhalten werden, frei von allen Krankheiten, Leiden und Gebrechen, auch frei von Alterung, Ermüdung und Erschöpfung ist, also frei von allem, was uns unsere Leiblichkeit manchmal als beschwerlich erscheinen läßt. Im Hinblick darauf ist es überaus passend, daß die Kirche an dem Tag, an dem wir feiern, daß Maria diese Vervollkommnung bereits erreicht hat, seit alters Blumen und Kräuter zur Heilung von Leib und Seele segnet, wodurch uns schon ein kleiner Vorgeschmack darauf gegeben wird, was uns erwartet, wenn auch wir, wie wir mit Gottes Gnade hoffen, einst in die ewige Vollendung eingehen werden.
Daß es gerade Kräuter sind, die hier durch den Segen der Kirche zu Sakramentalien werden, statt, wie es bei manch anderen Heiligen der Fall ist, Öl oder Wasser (man denke nur an das Walpurgisöl, das Ritaöl, das Ignatiuswasser und Ignatiusöl oder das Xaveriuswasser und Xaveriusöl), hat wohl nicht nur damit zu tun, daß diese jetzt im Hochsommer ihre volle Blütenpracht entfalten und in dem Ruf stehen, gerade in dieser Zeit des sogenannten „Frauendreißigers“, der mit dem Fest Mariä Himmelfahrt beginnt, bis zum Fest Mariä Schmerzen dauert und die Hauptwallfahrtszeit zu marianischen Gnadenorten bildet, besonders heilkräftig zu sein, sondern auch damit, daß apokryphe Überlieferungen und Legenden im Zusammenhang mit dem Heimgang Mariens über Blumen berichten. So erzählt Johannes von Damaskus, daß die Luft wundersam von Kräuterduft erfüllt war, als Maria ihr Grab verließ. Diese Auferstehung Marias aus dem Grab, die auch in anderen Berichten über den Hinübergang Marias begegnet, erinnert natürlich an die Auferstehung Christi und gibt dem Fest Mariä Himmelfahrt ein österliches Gepräge. Daher verwundert es nicht, daß manche der folgenden Lieder auf die Melodien bekannter Osterlieder gesungen werden.